Medizin

Psychose-Risiko Cannabis

Freitag, 27. Juli 2007

Cardiff – Regelmäßiger Cannabiskonsum geht einer Meta-Analyse im Lancet (2007; 370: 319-328) zufolge mit einem erhöhten Psychoserisiko einher. Sollte die Assoziation kausal sein, dann könnten in Großbritannien 14 Prozent aller Psychosen Folge des Marihuana/Haschisch-Konsums sein. Die neue britische Regierung denkt bereits über eine Verschärfung des Cannabisverbots nach, das erst kürzlich gelockert worden war.

Ob Cannabis tatsächlich eine Schizophrenie auslösen kann, wird sich mit absoluter Gewissheit wahrscheinlich niemals nachweisen lassen, schreiben Merete Nordentoft und Carsten Hjorthoj von der Universität Kopenhagen im Editorial (2007; 370: 293-294). Hierzu wäre eine randomisierte kontrollierte Studie erforderlich, deren Durchführung allein daran scheitern dürfte, dass die Droge in den meisten Ländern illegal ist. Zum anderen wäre eine solche Studie ethisch bedenklich, da der Cannabiskonsum zu kognitiven Störungen führt, woran die Editorialisten keinen Zweifel haben.

Auch das Psychoserisiko halten sie für real. Die jetzt von Stanley Zammit von der Universität Cardiff vorgelegte Publikation bewerten sie als die bisher umfassendste Analyse zu dieser Fragestellung. Die Autoren hatten 35 bevölkerungsbasierte Langzeitstudien (Dauer 1 bis 27 Jahre) ausgewertet und sorgfältig darauf geachtet, dass Personen, die bereits zu Beginn psychiatrisch auffällig war, von der Auswertung der Daten ausgeschlossen wurden. Damit wollten sie einem wesentlichen Einwand begegnen, nach dem nicht der Cannabiskonsum die Psychose auslöst, sondern umgekehrt einige Menschen aufgrund ihrer psychischen Anfälligkeit eher zu Drogen greifen. 

Ob sie diesen Einwand entkräften können, bleibt abzuwarten. Die Zahlen sind indes eindeutig. Personen, die Erfahrungen mit Cannabis gemacht haben, haben ein um 41 Prozent erhöhtes Risiko auf eine Psychose (Odds Ratio 1,41; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,20-1,65). Das Risiko ist dosis-abhängig. Bei Personen, die häufiger Cannabis rauchen, erkranken doppelt so häufig an einer Psychose (Odds Ratio 2.09; 1,54-2,84) als Personen ohne Drogenerfahrung. Das in den britischen Medien genannte attributive Risiko von 14 Prozent aller Psychosen, die auf den Cannabiskonsum zurückzuführen seien, ergibt sich aus der starken Verbreitung von Cannabis bei britischen Jugendlichen, von denen etwa 40 Prozent bereits einmal zu der Droge gegriffen haben sollen. 

In Großbritannien wurde Cannabis im Jahr 2004 von der Klasse B auf die Klasse C zurückgestuft, sodass der Besitz nicht mehr mit Gefängnisstrafen geahndet wird. Dies könnte sich demnächst wieder ändern, denn nach Informationen des Lancet überlegt die neue Regierung Cannabis wieder hochzustufen. Die jetzt im Lancet genannte Zahl von 800 Schizophreniediagnosen, die jährlich auf das Konto des Cannabiskonsums gingen, könnten diesen Schritt beschleunigen. © rme/aerzteblatt.de 

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige