Medizin

HPV-Impfung ohne therapeutische Wirkung

Mittwoch, 15. August 2007

Rockville –  Eine Impfung gegen onkogene humane Papillomaviren (HPV) bleibt wirkungslos, wenn ein positiver DNA-Abstrich der Zervix eine bereits bestehende Infektion anzeigt. Dies ergibt sich aus einer Studie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2007; 298: 743-753), welche die Empfehlungen der STIKO stützt, die auf eine Impfung im frühen Lebensalter drängt.

Die Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts hat sich im März für eine Impfung aller Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren ausgesprochen. Die Impfung mit insgesamt drei Dosierungen sollte vor dem ersten Geschlechtsverkehr abgeschlossen sein. Danach macht die Impfung keinen Sinn mehr, wie jetzt die Studie des US-National Cancer Institutes zeigt, die in Costa Rica durchgeführt wurde.

Zum Einsatz kam der Impfstoff Cervarix® der Firma Glaxo Smith Kline, der vor den beiden onkogenen HPV-Typen 16 und 18 schützt. Die Ergebnisse dürften aber auf den in Deutschland zugelassenen Impfstoff Gardasil® von Merck (in Deutschland MSD) übertragbar sein, auch wenn dieser zusätzlich vor den Typen HPV 6 und 11 schützt, die aber die Ursache von anogenitalen Feigwarzen sind und kein Zervixkarzinom auslösen. 

An der Studie hatten unter der Leitung von Allan Hildesheim vom US-National Cancer Institute in Bethesda 2.189 Frauen im Alter von 18 bis 25 Jahren teilgenommen, die alle einen HPV-DNA-positiven Zervixabstrich hatten. Sie erhielten entweder die drei vorgeschriebenen Dosierungen des Impfstoffes oder eine Kontrollvakzine (Hepatitis A). Nach 6 Monaten waren bei 33,4 Prozent der gegen HPV-geimpften Frauen keine HPV-Viren mehr im Kontrollabstrich vorhanden.

Dies war aber nicht auf die Impfung zurückzuführen, denn auch in der Kontrollgruppe wurde bei 31,6 Prozent der Frauen und damit nicht signifikant seltener eine HPV-“Clearance” erreicht. Wie hoch die „Spontanheilungsrate“ bei HPV-Infektionen ist, zeigen auch die Ergebnisse nach 12 Monaten: Jetzt waren 48,8 Prozent der Geimpften und 49,8 Prozent in der Kontrollgruppe ohne HPV-Viren im Abstrich.

Die Studie zeigt auch nach Ansicht von Lauri Markowitz von den Centers for Disease Control and Prevention, Atlanta, dass es bei einem positiven HPV-Test zu spät für eine Impfung ist (JAMA 2007; 298: 805-806). Diesen Frauen bleibt indes der Weg über ein regelmäßiges Pap-Screening, das in den allermeisten Fällen eine rechtzeitige Früherkennung des Zervixkarzinoms ermöglicht. © rme/aerzteblatt.de

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