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EUROCARE 4: Verbesserte Überlebensraten bei Krebserkrankungen in Europa

Dienstag, 21. August 2007

Rom/Mailand – Etwa die Hälfte der Krebspatienten in Europa überlebt heute 5 Jahre und länger. Die Überlebenschancen haben sich damit in den letzten Jahren verbessert, erreichen aber längst nicht das US-Niveau. Die Unterschiede zwischen den europäischen Ländern haben sich vermindert, es gibt aber noch ein Nord-Süd- und vor allem ein West-Ost-Gefälle mit Ausnahme der britischen Inseln. Dies geht aus der Publikation der EUROCARE-4-Studie in Lancet Oncology (2007: doi: 10.1016/S1470-2045(07)70246-2 und 10.1016/S1470-2045(07)70245-0) hervor.

EUROCARE ist ein gemeinsames Projekt von 83 Krebsregistern aus 23 europäischen Ländern, die zwischen einem Prozent (Saarländisches Krebsregister für Deutschland) und 100 Prozent (Skandinavien, Britische Inseln, Österreich, Malta, Slowenien) abdecken. Damit ist schon eine Schwäche genannt, welche die Daten aus Deutschland betrifft, da das Saarland nicht unbedingt repräsentativ für alle neuen und alten Bundesländer sein muss. Mit dieser Einschränkung nimmt Deutschland im europäischen Vergleich jedoch eine recht gute Position ein.

Nach den aktuellen Zahlen aus dem Zeitraum zwischen 2000 bis 2002 liegt die relative 5-Jahresüberlebensrate in Deutschland (1. Zahl) bei fast allen Erkrankungen über dem europäischen Durchschnitt (2. Zahl) und oft auch über den Ergebnissen des US-amerikanischen Krebsregister SEER. Dies war in den Daten die Arduino Verdecchia vom Istituto Superiore di Santià in Rom ausgewertet hat, so beim Magenkrebs (31,4 vs. 24,9 vs. 25 Prozent), beim Kolorektalkarzinom (61,2 vs. 56,2 vs. 65,5 Prozent), beim Lungenkrebs (14,7 vs. 10,9 vs. 15,7 Prozent), beim malignen Melanom (89,4 vs. 86,1 vs. 92,3 Prozent), beim Endometriumkarzinom (82,7 vs. 78 vs. 82,3 Prozent), beim Prostatakarzinom (85,3 vs. 77,5 vs. 99,3 Prozent), bei Nierenkrebs (66,0 vs. 55,7 vs. 62,6 Prozent) sowie beim Non-Hodgkin-Lymphom (63,4 vs. 54,6 vs. 62,0 Prozent).

Schlechter als der europäische Durchschnitt und die USA war Deutschland beim Brustkrebs (78,2 vs. 79,0 vs. 90,1 Prozent) und beim Zervixkarzinom (55,5 vs. 60,4 vs. 65,8 Prozent). Für alle Krebserkrankungen zusammen lauten die relativen 5-Jahresüberlebensraten für Männer (50,0 Prozent in Deutschland vs. 47,3 Prozent im europäischen Durchschnitt vs. 66,3 Prozent in den USA) und bei Frauen (58,8 vs. 55,8 vs. 62,9 Prozent). Noch besser als in Deutschland sind die 5-Jahresüberlebensraten in den skandinavischen Ländern (mit Ausnahme von Dänemark).

Am besten sind die Zahlen für Schweden: Hier leben 60,3 Prozent der Männer und 61,7 Prozent der Frauen noch 5 Jahre nach der Diagnose ihrer Krebserkrankung. Wenn die Behandlungsergebnisse in allen Ländern so gut wären wie in Schweden, Norwegen und Finnland, würden 12 Prozent weniger Menschen (entsprechend 150.000 Menschen) innerhalb der ersten 5 Jahre nach ihrer Krebsdiagnose sterben, rechnet das Team vor. 

Erfreulich ist, dass die relativen 5-Jahresüberlebensraten bei allen untersuchten Krebserkrankungen gestiegen sind. Außerdem haben sich die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern vermindert, was die Autoren vor allem mit einem Aufholeffekt in Osteuropa erklären. Die (noch) bestehenden Unterschiede führen sie auf klinische Faktoren (etwa Tumorstadium und Tumorbiologie) zurück, aber auch auf das Versorgungsniveau – etwa Organisation von Früherkennung und Therapie, Ausbildung und Fähigkeiten des Personals.

Bitter sind die Ergebnisse für Großbritannien, wo die Behandlungsergebnisse kaum besser sind als in osteuropäischen Ländern, die weniger als ein Drittel der Mittel für das Gesundheitswesen aufwenden können wie Großbritannien. Am besten ist das Verhältnis zwischen Gesundheitsausgaben und 5 Jahresüberlebensrate in Finnland, wie Franco Berrino von der Fondazione Istituto Nazionale dei Tumori in Mailand vorrechnet. Finnland zeigt, wie mit relativ geringem Aufwand eine exzellente Versorgung der Patienten sichergestellt werden kann.

Das auffallend schlechte Abschneiden Großbritanniens – vor allem im Vergleich zu den nord- und mitteleuropäischen Ländern – muss dem Nationalen Krebsdirektor Großbritanniens, Mike Richards, zu denken geben. Dieser hatte im Jahr 2000 einen Nationalen Krebsplan entwickelt, um die damals langen Wartezeiten für Krebsoperationen und die bekannten schlechten Behandlungsergebnisse zu verbessern. Richards führt in einem Editorial die schlechten Ergebnisse auf das bei der Diagnose oft fortgeschrittene Stadium zurück.

Britische Patienten scheinen demnach später zum Arzt zu gehen als in anderen Ländern, wovon es zumindest eine Ausnahme gibt: Beim Brustkrebs erreichen die 5-Jahresüberlebensraten mitteleuropäisches Niveau, vermutlich eine Folge des lange etablierten Mammografie-Screenings. In der Therapie scheint es dann jedoch Defizite zu geben, was erklären könnte, warum die 5-Jahresüberlebensraten beim Mammakarzinom in Deutschland auch ohne die damals noch nicht etablierte Mammografie besser waren als in Großbritannien. © rme/aerzteblatt.de

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