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Gesundheitskarte: Ärzteverbände fordern Ausstieg aus der gematik

Donnerstag, 23. August 2007

Berlin – Die Bundesärztekammer (BÄK) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) sollten aus der Betriebsgesellschaft der elektronischen Gesundheitskarte (gematik) aussteigen. Das haben der NAV-Virchowbund, Medi-Deutschland und der Bundesverband der Ärztegenossenschaften in einem offenen Brief gefordert. Hintergrund ist die Ankündigung des Bundesgesundheitsministeriums, die Karten ab dem zweiten Quartal 2008 auszugeben, ohne das spezifische Funktionen der Karte zur Verfügung stehen. „Die Absicht des Bundesgesundheitsministeriums ist skandalös, die deutsche Ärzteschaft muss sich zur Wehr setzen, darf und wird diese Arroganz der Macht […] nicht hinnehmen“, erklärten die Verbände.

Auch Bundesärztekammer-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe hat die Pläne des Ministeriums kritisiert, mit der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte bereits im nächsten Jahr zu beginnen und auf weitere Versuche mit mehreren 100.000 Patienten zu verzichten. „Es gibt keinen vernünftigen Grund, die Erprobungsphase abzukürzen oder gänzlich zur Disposition zu stellen“, sagte Hoppe den in Dortmund erscheinenden „Ruhr Nachrichten“ von heute. Die Devise müsse nach wie vor lauten: „Sorgfalt geht vor Schnelligkeit“, so der BÄK-Präsident.

Die sogenannten 100.000er-Tests finden auf jeden Fall statt. Das stellte die Kassenärztliche Bundesvereinigung heute in Berlin klar. „Die 100.000er-Tests sind unverzichtbar, um die neue Technologie in der Praxis zu erproben. Die Gesundheitskarte soll weit mehr können als die derzeitige Krankenversichertenkarte. Deshalb sind die Tests unverzichtbar und werden daher auf jeden Fall stattfinden. Sie werden die Erfahrungen und Bedenken der Ärzte angemessen berücksichtigen“, sagte der Vorstand KBV, Carl-Heinz Müller, in Berlin.

Die in den Medien verbreitete Information, die 100.000er-Tests fänden nicht statt, sei falsch. Diese kolportierte Aussage aus dem Bundesgesundheitsministerium beziehe sich lediglich auf die erste Variante einer Gesundheitskarte, die von der Funktionalität her der heutigen Krankenversichertenkarte entspreche.

Über Risiken und Nutzen der elektronischen Gesundheitskarte aufklären wollen Ärzte aus Rhein-Sieg-Kreis und dem Oberbergischen Kreis am 28. August in Siegburg. Die Veranstaltung mit dem Titel „Die elektronische Gesundheitskarte – der gläserne Patient“ findet im Stadtmuseum Siegburg, Markt 46, 53721 Siegburg, statt. Sie beginnt um 19.00 Uhr. © hil/aerzteblatt.de

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