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Herzinfarkt als Diabetesrisiko

Montag, 27. August 2007

Boston – Seit langem ist bekannt, dass Diabetiker ein erhöhtes Herzinfarktrisiko haben. Die Beziehung existiert jedoch offenbar auch in der anderen Richtung. Nach einer Studie im Lancet (2007; 370: 667-675) ist nach einem Herzinfarkt das Risiko auf einen Diabetes- oder eine gestörte Glucosetoleranz (Prädiabetes) deutlich erhöht. 

Zu dieser Erkenntnis gelangen Dariush Mozaffarian von der Harvard Medical School in Boston und Mitarbeiter aufgrund ihrer Analyse der GISSI-Prevenzi-Studie, die in den 90er-Jahren die sekundärpräventive Wirkung von Fischöl und Vitamin E bei Patienten mit Herzinfarkt prospektiv untersucht hatte und nur für ersteres eine leichte protektive Wirkung belegen konnte (Lancet 1999; 354: 447-455). Die Teilnehmer wurden damals auch nach ihren Lebens- und Ernährungsgewohnheiten befragt und auf ihre Glucosetoleranz getestet, deren Störung heute als Prädiabetes bezeichnet wird. 

Diese Daten ermöglichten es den Harvard-Epidemiologen einer erstmals 1966 aufgeworfenen These nachzugehen, nach der die Stressreaktion, die mit einem Herzinfarkt einhergeht, sich negativ auf den Glucosestoffwechsel auswirkt. Damals hatten zwei Forscher an einem Patienten gezeigt, dass nach dem Herzinfarkt freie Fettsäuren und Blutzucker rasch ansteigen (Kurien et a. Lancet 1966; 2: 122-127). Später wurde gezeigt, dass der Anstieg des Blutzuckers mit der Infarktgröße assoziiert war und die Prognose der Patienten verschlechtert.

Jetzt deuten die Daten der Gruppo Italiano per lo Studio della Sopravvivenza nell’Infarto miocardico (GISSI) darauf hin, dass der Infarkt über den stationären Aufenthalt hinaus einen negativen Einfluss auf den Glucosestoffwechsel hat: Ein Drittel der Patienten entwickelte während der 3,5-jährigen Nachbeobachtungszeit entweder einen Diabetes oder einen Prädiabetes. Ein Prädiabetes trat bei den Postinfarktpatienten 18 Mal häufiger auf als in der Normalbevölkerung (27,5 Prozent vs. 1,5 Prozent). Beim Diabetes war die Inzidenzrate viereinhalb Mal höher als in der Normalbevölkerung (3,7 Prozent statt 0,8-1,6 Prozent).

Die Gefahr, dass es nach dem Infarkt zum (Prä)-Diabetes kommt, stieg mit dem Alter und dem Blutdruck der Patienten. Weitere Risikofaktoren waren die Verordnung von Betablockern (Hazard Ratio 1,27; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,12-1,45) und eventuell Diuretika (Hazard Ratio 1,08; 0,87-1,34), was als Folge der „diabetogenen“ Wirkung dieser Medikamente interpretiert werden könnte. Eine protektive Wirkung (Hazard Ratio 0,78; 0,67-0,90) entfalteten dagegen Lipidsenker. 

Auch eine mediterrane Kost (Hazard Ratio 0,65; 0,49-0,85) könnte eine schützende Wirkung entfalten, während Käse (Hazard Ratio 1,05), Wein (Hazard Ratio 1,08) und Kaffee (Hazard Ratio 1,19) sich tendenziell ungünstig auswirkten. Alle diese Faktoren sind jedoch mit einem Fragezeigen zu versehen, da es sich um eine retrospektive Analyse handelte, und nicht um eine prospektive Interventionsstudie. 

Nach Ansicht des Editorialisten Lionel Opie untermauern die Ergebnisse die Verbindung zwischen Myokardinfarkt und Hyperglykämie: „Das eine verursacht das andere“, schreibt der Experte vom Hatter Cardiovascular Research Institute der Universität Kapstadt (Lancet 370:634-635). © rme/aerzteblatt.de

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