Politik

Krankenkassen-Bericht enthüllt Missstände in Pflegeheimen

Freitag, 31. August 2007

Berlin – Auf gravierende Missstände in Pflegeheimen und bei ambulanten Pflegediensten hat ein Prüfbericht des Medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS) hingewiesen. Allerdings habe sich die Situation in den vergangenen drei Jahren verbessert.

Fanden die MDK-Gutachter im Jahre 2003 noch bei rund 37 Prozent der von ambulanten Pflegediensten betreuten Pflegebedürftigen und bei 41 Prozent der Pflegeheimbewohnern Defizite bei der Ernährungs- und Flüssigkeitsversorgung, reduzierten sich diese Werte auf knapp 30 Prozent im ambulanten und rund 34 Prozent im stationären Bereich.

Bei den pflegerischen Maßnahmen zur Vorbeugung von Dekubiti, bei der Inkontinenzversorgung und bei der Betreuung von Menschen mit Demenz stellt sich die Situation ähnlich dar. Bei zehn Prozent der untersuchten Heimbewohner (2003: 17,4 Prozent) stellten die MDK-Gutachter gesundheitliche Schädigungen und damit einen akut unzureichenden Pflegezustand fest. Der Untersuchung zufolge bieten weder Zertifikate für die Einrichtungen noch höhere Gebühren eines Pflegedienstes Gewähr für eine gute Versorgung: In Einzelfällen hätten zertifizierte Einrichtungen schlechter abgeschnitten als nicht zertifizierte.

Allerdings haben die Pflegeeinrichtungen laut MDS in den vergangenen Jahren erkennbare Anstrengungen unternommen, um die Pflegequalität in den Pflegeeinrichtungen weiterzuentwickeln. Aber es gebe nach wie vor „zum Teil erheblich Qualitätsdefizite und deshalb deutlichen Handlungsbedarf“, so das Fazit des Berichtes. Alle in der Pflege Beteiligten seien gefordert, um Qualitätsverbesserungen im Interesse der Pflegebedürftigen zu erreichen, sagte Werner Gerdelmann, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Angestellten-Krankenkassen, bei der Vorstellung des Berichtes am 31. August. Wenn die Gesundheit von Pflegebedürftigen geschädigt werde, müssten die Einrichtungen geschlossen werden.

Angesichts der Missstände in Pflegeheimen und bei den ambulanten Diensten dringt der deutsche Pflegeverband auf grundlegende Reformen. Die Rahmenbedingungen in der Pflege hätten sich verschlechtert, sagte der Präsident des Deutschen Pflegeverbandes, Rolf Höfert. Es gebe auf der einen Seite seit 1995 gedeckelte Pflegesätze und auf der anderen Seite eine steigende Zahl von Pflegebedürftigen. Pfleger seien an den Grenzen ihrer Möglichkeiten. Die Erhöhung der Pflegebeiträge sei nicht ausreichend. „Die grundlegende Frage ist, was ist uns die Würde, die pflegerische Versorgung der Menschen in Deutschland wert?“, sagte Höfert.

„Alle Akteure, natürlich auch die Politik, sind gefragt, sich für eine hochwertige und menschenwürdige Pflege zu engagieren", erklärte die Grünen-Pflegeexpertin Elisabeth Scharfenberg. Die Linken forderten mehr Personal in den Einrichtungen. „Wer Menschen, die ständig oder zeitweilig auf pflegende Assistenz angewiesen sind, tatsächlich helfen will, darf nicht in erster Linie an ‚sparen’ denken, erklärte der Abgeordnete Ilja Seifert.

Verdi-Vorstandsmitglied Ellen Paschke erklärte: „Wir brauchen eine ausreichende Personalausstattung mit qualifizierten Pflegekräften.“ Psychische Überforderung der Beschäftigten, permanente Arbeitsüberlastung, personelle Unterbesetzung, fehlende Qualifikationen und unzumutbare Arbeitsbedingungen prägten seit Jahren den Pflegealltag zu Hause und im Heim. Auch wenn sich zum Teil leichte Verbesserungen der Pflegequalität feststellen ließen, blieben die festgestellten Pflegemängel schockierend, erklärte der Sozialverband Deutschland (SoVD). Es müsse alles daran gesetzt werden, mangelhafte Pflege unverzüglich zu beheben.

Der MDS gibt alle drei Jahre einen umfassenden Bericht zur Situation und zur Entwicklung der Pflegequalität bei häuslicher Pflege und in Pflegeheimen ab. Der jetzt vorgestellte Bericht bezieht sich auf die Jahre 2004 bis 2006. Dafür wurden Daten aus 3.736 Qualitätsprüfungen in ambulanten Pflegediensten und aus 4.215 Qualitätsprüfungen in stationären Pflegeeinrichtungen ausgewertet. © hil/SR/aerzteblatt.de

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