Medizin

Studie: Weltweit hohe Prävalenz der COPD

Freitag, 31. August 2007

Portland – Chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) sind wesentlich häufiger als bisher angenommen. Nach einer Untersuchung aus 12 Ländern, die jetzt im Lancet (2007; 370: 741-750) publiziert wurde, ist jeder zehnte Erwachsene über 40 Jahre erkrankt. In Deutschland war die Prävalenz vergleichsweise gering. 

Die COPD umfasst die chronische Bronchitis und ihr Spätstadium, das Lungenemphysem. Nach den Leitlinien der Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD), einer 1997 gegründeten gemeinnützigen Organisation (die allerdings von der Pharmaindustrie gesponsert wird), liegt ein Stadium II der Erkrankung vor, wenn die Lungenfunktion mäßig eingeschränkt ist (FEV1/FVC <0,70; FEV1 zwischen 50 und 80 Prozent des erwarteten Werts). Die Patienten sind dann in Ruhe noch beschwerdefrei, sie bekommen aber bei körperlichen Anstrengungen und bei Erkältungen leichter Atemnot, was häufig Grund für einen Arztbesuch ist. 

Die „Burden of Obstructive Lung Disease“ oder BOLD-Initiative hat jetzt die Prävalenz der COPD ab Stadium II bei über 40-Jährigen in 12 Ländern aus 5 Kontinenten untersucht. Zu den beteiligten Zentren gehörte auch die Medizinische Hochschule Hannover. Hier war die Prävalenz der COPD II (oder schlechter) mit 5,9 Prozent am niedrigsten, während in Kapstadt 19,1 Prozent der untersuchten Probanden die Kriterien erfüllten. Im internationalen Durchschnitt betrug die Prävalenz 10,1 Prozent. Sie liegt damit weit über den bisherigen Schätzungen, die – mangels konkreter Zahlen –  zwischen 0,2 und 3,2 Prozent schwankten.

Die Prävalenz der COPD war bei Männern (11,8 Prozent) höher als bei Frauen (8,5 Prozent), was die Autoren um Sonia Buist von der Universität Oregon in Portland darauf zurückführen, dass weniger Frauen als Männer rauchen. Tabakrauchen ist der mit Abstand häufigste Risikofaktor. In einer begleitenden Übersicht (Lancet 2007; 370: 765-773) schätzen David Mannino von der Universität von Kentucky in Lexington und Buist, dass in den Ländern mit hohem Einkommen 73 Prozent der COPD-Mortalität auf das Rauchen zurückzuführen ist. In den Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen, betrage der Anteil 40 Prozent. In den diesen Ländern spielen andere Ursachen wie Tuberkulose oder eine schlechte Luftqualität am Arbeitsplatz eine Rolle. 

Ein weiterer Risikofaktor ist das Alter. Im Alter verdoppele sich die Rate alle zehn Jahre, haben die Autoren errechnet. Wegen der steigenden Lebenserwartung der Menschen werde die Prävalenz der COPD deshalb in den nächsten Jahrzehnten weiter zunehmen. Der Einfluss sei so groß, dass selbst eine sinkende Zahl von Rauchern dies nicht verhindern werde, befürchten Buist und Mitarbeiter.

In einer weiteren Studie kommen K. K. Cheng von der Universität Birmingham und Mitarbeiter nach einer Analyse der Guangzhou Biobank Kohortenstudie zu dem Ergebnis, dass Personen, die oft passiv rauchten (etwa 40 Stunden pro Woche während mehr als 5 Jahren) ein um 48 Prozent erhöhtes Risiko auf eine COPD haben (Lancet 2007; 370: 751-757). Da Passivrauchen in China verbreitet ist – Regelungen zum Schutz an öffentlichen Plätzen und am Arbeitsplatz fehlen –, werden nach Schätzung der Autoren von den 240 Millionen derzeit in China lebenden Menschen von über 50 Jahren durch die hohe Passivrauch-Rate 1,9 Millionen Nichtraucher durch COPD zu Tode kommen. © rme/aerzteblatt.de

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