Salzkonsum erhöht Blutdruck bei Kindern und Jugendlichen
Dienstag, 11. September 2007
London – Steigert salziges Essen bereits im Kindes- und Jugendalter den Blutdruck? In einer Querschnittsstudie im Journal of Human Hypertension (2007; doi: 10.1038/sj.jhh.1002268) bestand eine klare Assoziation zwischen der Kochsalzzufuhr in der Nahrung und dem systolischen Blutdruck.
Im Jahr 1997 ließ die britische Regierung in einer repräsentativen Stichprobe die Ernährung von 4 bis 18-Jährigen erkunden. Die National Diet and Nutrition Survey protokollierte einen Woche lang, was 2.127 Kinder aßen, aber auch zum Beispiel wie häufig sie Stuhlgang hatten und ob sie Sport trieben. Es wurden Größe, Gewicht und andere Körpermaße erhoben und neben der Entnahme einer Blut- und Urinprobe wurde bei den Teilnehmern auch der Blutdruck bestimmt. Zunächst fiel der Gruppe um Graham A. MacGregor von der Blood Pressure Unit am St. Georg Hospital in London auf, dass bereits die 4-Jährigen sich viel zu salzhaltig ernährten.
Statt der empfohlenen 2 bis 3 Gramm kamen sie im Durchschnitt auf 4,7 Gramm am Tag. Der Salzkonsum stieg mit dem Lebensalter auf bis zu 6,8 Gramm pro Tag bei den 18-Jährigen. Jetzt hat die Gruppe den Salzkonsum der Kinder und Jugendlichen mit dem Blutdruck in Beziehung gesetzt. Sie fanden eine ähnliche Abhängigkeit, wie sie in früheren Studien für ältere Erwachsene gefunden worden war.
Pro Gramm Salz in der Nahrung stiegt der systolischer Blutdruck bei den Kindern und Jugendlichen um 0,4 mm Hg und der Pulsdruck, also die Differenz zwischen systolischen und diastolischen Blutdruck nahm um 0,6 mm Hg zu. Diese Assoziation bestand auch nach Berücksichtigung von Faktoren wie Alter, Geschlecht und Body-Mass-Index, verschwand aber nach Korrektur um die Kalorienzufuhr. Wie es scheint legen Kinder, die gerne salzig essen auch schneller an Gewicht zu.
Für Jo Butten vom Consensus Action on Salt and Health, einer Gruppe von Ernährungsforschern und Ärzten, die sich für eine Salzrestriktion in der Nahrung einsetzt, sind das bedenkliche Ergebnisse. Auch wenn der Einfluss des Kochsalzes in absoluten Zahlen gering sei, wisse man doch, dass sich der Anstieg des Blutdrucks im Erwachsenenalter fortsetze, sodass Butten Kinder, die sich zu kochsalzhaltig ernähren, für hypertoniegefährdet hält. Der Ernährungswissenschaftler weiß aber auch, dass es nicht einfach ist, den Salzgehalt in der Nahrung zu senken. Das meiste Kochsalz ist heute in Fertignahrungsprodukten enthalten, und selbst die als gesund geltenden Frühstückscerealien enthalten häufig größere Mengen, ohne dass die Kinder dies noch geschmacklich wahrnehmen.
Ob eine Salzrestriktion die gewünschte hypertonie-präventive Wirkung hätte, ist nach Ansicht von Michael Alderman vom Albert Einstein College in New York alles andere als gewiss. Zum Beweis müssten streng genommen langjährige randomisierte kontrollierte Studie durchgeführt werden, fordert Alderman im Editorial (Journal of Human Hypertension 2007; doi:10.1038/sj.jhh.1002269).
Ob es jemals dazu kommt, ist indes ungewiss. Anders als bei Hypertoniemedikamenten gibt es niemanden, der ein wirtschaftliches Interesse an derartigen Studien hätte. An der Salzrestriktion kann niemand verdienen. So war auch der Einfluss der Kochsalzrestriktion auf den Blutdruck bei Erwachsenen lange Zeit umstritten. Heute gilt (auch für Alderman) als erwiesen, dass 75 bis 100 mmol weniger Kochsalz am Tag den systolischen Blutdruck um 3 bis 4 mm Hg senken, während der Einfluss auf den diastolischer Blutdruck geringer als 1 mm Hg beträgt. © rme/aerzteblatt.de
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