Medizin

Dieselabgase: Akute Auswirkungen auf das Herz

Donnerstag, 13. September 2007

Edinburgh – Das Einatmen von Dieselabgasen verstärkt bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK) die Ischämiezeichen im Belastungs-EKG und erhöht die Gerinnbarkeit des Blutes. Diese Befunde einer randomisierten kontrollierten Studie im New England Journal of Medicine (NEJM 2007; 357: 1075-1082) erklären plausibel, warum an Tagen oder in Gegenden mit hoher Schadstoffbelastung die Zahl der Herzinfarkte erhöht ist.

Während die meisten Menschen glauben, die Luftverschmutzung in Städten oder an Smog-Tagen würde vor allem ihren Lungen schaden, geht die größte Gefahr in Wirklichkeit von Herzerkrankungen aus. Bedenklich ist hier vor allem der in Dieselabgasen enthaltene Feinstaub, der in epidemiologischen Studien mit einer erhöhten Rate an Herzinfarkten, ventrikulären Herzrhythmusstörungen und Hospitalisierungen von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz assoziiert war. Die Gründe für diese kardialen Risiken der Luftverschmutzung waren bisher unklar. Die British Heart Foundation beauftragte deshalb Forscher aus Edinburgh in Schottland und Umeå in Schweden mit einer randomisierten kontrollierten Studie.

Zwanzig Männer mit bekannter KHK – sie hatten in den vorausgegangenen 6 Monaten einen Herzinfarkt erlitten – wurden zu einem Belastungs-EKG eingeladen. Dabei wurde genau darauf geachtet, dass die Männer zum Zeitpunkt der Experimente nicht an Angina pectoris, Typ-II-Diabetes mellitus, unkontrollierter Hypertonie oder schweren Organerkrankungen litten, die zu einer Gefährdung bei den Versuchen geführt haben könnte. Die Experimente fanden in einer speziellen Expositionskammer an der Universität Umeå statt, in das die Forscher die Abgase eines Dieselmotors im Leerlauf leiteten.

Damit die Bedingungen lebensecht waren, wurde ein handelsüblicher Automotor verwendet (Volvo TD45, 4,5 Liter, 4 Zylinder, 680 rpm), dessen Abgase (gemischt mit frischer Luft) in der Kammer eine Feinstaubkonzentration von 300µg pro Kubikmeter erzeugten, wie sie auch in Straßennähe in Großstädten regelmäßig erreicht wird. In einem Kontrollexperiment atmeten die Teilnehmer gefilterte Luft ein. Sie radelten zweimal eine Viertelstunde, danach gab es eine gleich lange Ruhepause.

Während der Belastung stieg in beiden Gruppen die Herzfrequenz in gleichem Maße an. Doch die ST-Strecken-Senkung, das klassische Ischämiezeichen im Belastungs-EKG, war beim Einatmen der Dieselabgase deutlich erhöht. Nicholas Mills von der Universität Edinburgh und Mitarbeiter sprechen von einem dreifachen Anstieg des Herzstresses. Hinzu kam, dass die Konzentration des Gewebsplasminogenaktivators (t-PA) in der Art. brachialis herabgesetzt war. t-PA ist bekanntlich ein körpereigener Schutzfaktor gegen die Blutgerinnung und ein etabliertes Medikament zur Behandlung eines Herzinfarktes.

Keiner der Teilnehmer erlitt einen Infarkt. Dennoch geben die Ergebnisse Peter Weissberg von der British Heart Foundation zu denken. Dieser rät allen Patienten mit KHK weiterhin zu regelmäßigen sportlichen Übungen. Nur sollte man diese nicht in der Nähe von vielbefahrenen Straßen und an Tagen mit erhöhter Schadstoffbelastung durchführen. Mill ist sich sicher, dass Dieselabgase schädlicher sind als Benzinabgase.

Der Feinstaubgehalt liege 10- bis 100-fach höher. Ob Feinstaubfilter die Gefährdung herabsetzen, müsste in weiteren Studien untersucht werden. Wenn sie aber wirklich die Belastung mit Feinstaub herabsetzen, könnten sie von größter Bedeutung für die öffentliche Gesundheit sein, vermutet Mills. © rme/aerzteblatt.de

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