Politik

Bei Aussprache der Union zu Stammzellgesetz überwiegen Bedenken

Mittwoch, 19. September 2007

Berlin – Deutlich länger als erwartet hat sich die Bundestags-Unionsfraktion am Dienstagabend mit der Bewertung und rechtlichen Regelung der Stammzellforschung in Deutschland befasst. Mehrere Teilnehmer sagten am Mittwoch in Berlin, gut 15 Abgeordnete seien zu Wort gekommen. Darunter seien deutlich mehr Kritiker als Befürworter einer Änderung des Stammzellgesetzes gewesen.

Statt der vorgesehenen zwei Stunden dauerte die gut besuchte Anhörung, zu der die Fraktionsführung fünf Experten geladen hatte, gut drei Stunden. Der nicht öffentlichen Aussprache folgte auch Forschungsministerin Annette Schavan (CDU).

Nach geltendem Recht dürfen deutsche Wissenschaftler in engen Grenzen nur solche humane embryonale Stammzellen verwenden, die vor dem 1. Januar 2002 im Ausland gewonnen wurden. Diverse Politiker und die evangelische Kirche schlagen vor, diesen Termin um gut fünf Jahre auf 2006 zu verschieben, damit der Forschung mehr Stammzellen zur Verfügung stehen. Die FDP fordert den kompletten Wegfall des Stichtags.

Von den Experten sprach sich, wie es hieß, der Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Jörg Hinrich Hacker, für den Wegfall des Stichtags aus. Der Bonner Staatsrechtler Matthias Herdegen habe dagegen für eine einmalige Verschiebung votiert. Ähnlich äußerte sich der evangelische Systematiker Klaus Tanner aus Halle, der sich gegen ein „Moralisieren“ gewandt habe.

Der Wiener Pathologe und Krebsexperte Lukas Kenner habe betont, dass Arbeiten, die mit humanen embryonalen Stammzellen geplant seien, auch mit embryonalen Stammzellen von Mäusen erfolgen könnten. Strikt gegen eine Verschiebung äußerte sich auch der katholische Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff.

Die Forschungspolitikerin und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Katherina Reiche (CDU), die in der Aussprache eine Gesetzesänderung anmahnte, sprach auf Anfrage von einer ausgewogenen und informativen Veranstaltung. Die Bedenken der DFG gegen die derzeitige Stichtagsregelung seien ernstzunehmen. Das gelte auch für den Einwand, dass das Stammzellgesetz von 2002 nicht verfassungsgemäß sei. Reiche betonte, die Fraktion werde bald das Ergebnis der Expertenanhörung und ein weiteres Vorgehen beraten.

Der Rechtspolitiker Norbert Geis (CSU) betonte, es seien starke Bedenken gegen eine Lockerung der geltenden Regelung laut geworden. Die Aussprache habe die beiden gegensätzlichen Grundlinien innerhalb der Fraktion deutlich gemacht. Geis bedauerte, dass der Düsseldorfer Kardiologe Bodo-Eckehard Strauer nicht als Experte geladen gewesen sei; von ihm war Ende voriger Woche ein international beachteter Therapieerfolg mit Knochenmark-Stammzellen bei einem Herzinfarktpatienten bekannt geworden.

Die CDU-Abgeordnete Julia Klöckner, die in der vorigen Legislaturperiode der Bioethik-Enquetekommission des Bundestags angehörte, betonte, zahlreiche Heilversprechen der embryonalen Stammzellforschung weltweit seien nicht eingelöst worden. Stattdessen habe schon eine Reihe von Unternehmen, die viel Geld in Forschungen mit embryonalen Stammzellen gesteckt hätten, diese Arbeiten eingestellt, betonte Klöckner und verwies auf zu hohe Tumorrisiken.

Deutschland solle mehr Geld in die adulte Stammzellforschung stecken. In diesem Bereich zeigten sich längst Erfolge. Vor einigen Tagen hatte Schavan fünf Millionen Euro für Projekte der adulten Stammzellforschung bereitgestellt. © kna/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige