Ausland

Gesundheitssystemvergleich: Deutschland auf Platz fünf

Montag, 1. Oktober 2007

ddp

Brüssel - Die Gesundheitsversorgung in Deutschland nimmt im europaweiten Vergleich weiterhin eine Spitzenstellung ein. Um die Zufriedenheit der Patienten mit dem Gesundheitssystem zu verbessern, bedarf es jedoch noch einiger Anstrengungen. Dies betrifft insbesondere den Schutz der Patientenrechte und das Informationsangebot über medizinische Leistungen und deren Qualität. Deshalb landete das deutsche Gesundheitssystem beim Europäischen Gesundheitskonsumentenindex (EHCI) dieses Jahr nur auf Platz fünf.

Im vergangenen Jahr nahm Deutschland noch den dritten Platz ein. Die Spitzenplätze hinsichtlich Leistungsfähigkeit und Patientenfreundlichkeit belegten beim diesjährigen EHCI die Gesundheitssysteme von Österreich, den Niederlanden, Frankreich und der Schweiz.

Seit drei Jahren vergleicht das in Brüssel ansässige Beratungsunternehmen Health Consumer Powerhouse (HCP) europäische Gesundheitssysteme, um Ansätze für eine am Patienten orientierte Gesundheitspolitik zu finden. Dafür wertet HCP zum einen statistische Daten der Länder sowie der Weltgesundheitsorganisation und der OECD aus und führt Gespräche mit Patientenvertretern und gesundheitspolitisch Verantwortlichen.

Für das diesjährige Ranking nahm das Unternehmen die Gesundheitssysteme der 27 EU-Staaten sowie der Schweiz und Norwegen unter die Lupe. Als besonders patientenfreundlich erwiesen sich das dänische und finnische Gesundheitssystem. Ausschlaggebend hierfür ist unter anderem, dass beide Länder den Schutz der Patientenrechte gesetzlich geregelt haben.

Auch haben Patienten in Dänemark und Finnland jederzeit Zugang zu ihren Krankenunterlagen. Darüber hinaus hat die elektronische Patientenakte in den Praxen dänischer und finnischer Hausärzte bereits flächendeckend Einzug gehalten.

Dass die Bundesregierung nach wie vor kein Patientenschutzgesetz auf den Weg gebracht hat, hat Deutschland beim EHCI dieses Jahr ebenso Punktabzüge eingebracht wie die Tatsache, dass sich deutsche Ärzte und Kliniken bislang keinem transparenten Qualitätsvergleich unterziehen.

Als großes Plus des deutschen Systems wertete HCP den problemlosen Zugang zur fachärztlichen Versorgung und den Umfang des Leistungsspektrums. Positiv zu Buche schlägt auch, dass sich Patienten in Deutschland jederzeit eine Zweitmeinung einholen können. Vergleichsweise gut schneidet Deutschland auch bei der Qualität der medizinischen Leistungen ab. Messwerte hierfür waren beispielsweise die Kindersterblichkeit, die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei Krebs oder die Mortalitätsrate nach Herzinfarkt.

Auf den hinteren Plätzen landeten die Gesundheitssysteme von Bulgarien, Polen, Litauen, Rumänien, Ungarn und der Slowakei. Schlusslicht bildet Lettland. In diesen Ländern gelingt es trotz einiger Fortschritte offensichtlich noch nicht, eine leistungsfähige und zugleich patientenfreundliche Versorgung anzubieten. Großbritannien rangiert nach wie vor im Mittelfeld. Ausschlaggebend hierfür sind vor allem lange Wartezeiten beim National Health Service und deutliche Qualitätsunterschiede bei der staatlichen und privaten Gesundheitsversorgung. 

Alarmiert ist das HCP zudem durch die Zunahme nosokomialer Infektionen in Europa. In bereits nahezu der Hälfte aller Länder stellten Infektionen mit multiresistenten Erregern eine ernst zunehmende Gesundheitsgefahr dar, so das Unternehmen. © ps/aerzteblatt.de

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