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Mittwoch, 10. Oktober 2007
Stress in Ehe und Beruf als Herzinfarktrisiken

Laval/Québec/London – Psychologischer Stress kann auf Dauer krank machen. Diese in der Bevölkerung weit verbreitete Ansicht wird zunehmend auch durch epidemiologische Befunde gestützt. Eine Studie in den Archives of Internal Medicine (2007; 167: 1951-1957) ergab, dass britische Staatsbedienstete ohne emotionalen Rückhalt in der Familie häufiger an einem Herzinfarkt erkranken. Und im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2007; 298: 1652-1660) berichten kanadische Forscher, dass Negativ-Stress am Arbeitsplatz die Rate von Re-Infarkten nach Herzinfarkt erhöht.

In der Whitehall-II-Studie wurden mehr als 9.000 Staatsangestellte aus dem Londoner Regierungsviertel zweimal ausführlich zu ihrem Privatleben interviewt. Die Fragen im Close Persons Questionnaire betrafen auch den emotionalen Rückhalt, den die Bediensteten durch enge Angehörige empfanden. Roberto de Vogli und Mitarbeiter vom University College London setzten die Angaben mit späteren Krankheiten in Beziehung. Ergebnis der prospektiven Kohortenstudie: Bedienstete mit häuslichen Problemen wurden in den 12 Jahren der Nachbeobachtung zu 34 Prozent häufiger wegen koronarer Erkrankungen behandelt: Hazard Ratio 1,34; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,10-1,63). Das Ergebnis war robust, auch wenn Alter, Geschlecht, Familienstatus, Erziehung, empfundene wirtschaftliche Situation und fehlende soziale Unterstützung am Arbeitsplatz (sprich Mobbing) berücksichtigt wurden.

Corine Aboa-Èboulé von der Université Laval in Québec/Kanada und Mitarbeiter interviewten 972 Männer und Frauen, die nach einem Herzinfarkt wieder in das Berufsleben zurückkehrten. Der Karasek Job Content Questionnaire erkundete die Anforderungen und die Entscheidungsfreiheit am Arbeitsplatz. Überforderung im Job bei mangelnder Kontrolle über die eigene Tätigkeit führten hier zu einem hohen „Job Strain“, der in dieser ebenfalls prospektiven Kohortenstudie das Risiko auf ein zweites koronares Ereignis mehr als verdoppelte: Hazard Ratio 2,20; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,32-3,66. Auch nach Berücksichtigung von 26 anderen potenziellen Risikofaktoren änderte sich daran nichts. 

Psychologischer Stress begünstigt nicht nur koronare Ereignisse. Auch Depressionen und Krebs, aber auch das Fortschreiten einer HIV-Infektion kann durch dauerhaften Distress gefördert werden, wie Sheldon Cohen Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh in einem Kommentar schreibt (JAMA 2007; 298. 1685-1687). Die Gründe seien einmal im Verhalten der gestressten Personen zu suchen. Diese würden sich weniger körperlich bewegen und sich ungesunder ernähren und häufig auch die ärztlichen Anweisungen nicht befolgen, was sich gerade bei HIV sehr schnell ungünstig auswirken kann.

Der zweite Grund ist psychoneuroendokrinologischer Natur. Chronischer Stress aktiviert die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse mit einer vermehrten Ausschüttung von Kortison. Zum anderen wird über Sympathikus und Nebennierenmark vermehrt Adrenalin freigesetzt – beides langfristig mit negativen Auswirkungen auf den Stoffwechsel. © rme/aerzteblatt.de

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