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ABO-inkompatible Nierentransplantation könnte sich in Deutschland etablieren

Montag, 22. Oktober 2007

Mainz – Bei entsprechender Immunsuppression scheint es zu funktionieren: Die blutgruppeninkompatible Nierenlebendspende, in Deutschland erstmals 2004 an der Universitätsklinik Feiburg vorgenommen, wird als eine Möglichkeit gesehen, Nierenkranken, die einen Lebendspender haben, das Organ auch dann zu übertragen, wenn die Blutgruppen nicht übereinstimmen. In Ländern wie Japan mit traditionell wenigen postmortalen Organspendern hat sich die blutgruppeninkompatible Nierenlebendspende bereits in den neunziger Jahren etabliert, in Europa erst um das Jahr 2000.

Inzwischen ist die Vorbehandlung der Organempfänger so weit optimiert worden, dass die Ergebnisse mit denen der blutgruppenkompatiblen Lebend-Nierentransplantation vergleichbar sind – zumindest im überschaubaren Zeitraum von einigen Jahren. Gut 90 Prozent der Nieren funktionieren bei den Organempfängern des Universitätsklinikums Freiburg, die ab dem Jahr 2005 transplantiert worden sind. Bei den ersten acht Patienten habe es häufiger Komplikationen gegeben wie Nachblutungen, Lymphozelen, Ureterstenosen und Narbenhernien als bei Empfängern einer blutgruppenverträglichen, lebendgespendeten Niere, sagte Przemyslaw Pisarski (Freiburg) anlässlich der 16. Jahrestagung der Deutschen Transplantationsgesellschaft in Mainz. Danach sei das Verfahren gemeinsam mit Kollegen an der Karolinska-Universitätsklinik in Stockholm verbessert worden.

Das jetzt optimierte Verfahren: Die gegen die Blutgruppe des Spenders gerichteten Antikörper im Empfänger werden mittels Immunoadsorption entfernt. Wie häufig die Prozedur wiederholt werden muss, ist abhängig vom Titer der Anti-A- oder Anti-B-Antikörper. Vier Wochen vor Beginn der Immunoadsorption erhalten die Empfänger eine Dosis des Anti-CD-20-Antikörpers Rituximab (CD-20 ist ein B-Zell-Antigen). Sieben bis zehn Tage vor dem geplanten Eingriff beginnt der Patient mit der üblichen Tripel-Immunsuppression (Tacrolimus, Mycophenolat Mofetil, Prednisolon).

Kürzlich sind die Daten von 60 Patienten analysiert worden, die nach diesem Protokoll an zwei schwedischen Zentren (Uppsala und Stockholm) und an der chirurgischen Universitätsklinik Freiburg behandelt worden sind. (Transplantation 2007; 83, 1153-55). Die Einjahresorganfunktionsraten betrugen 97 Prozent bei den Patienten, die eine blutgruppeninkompatible, lebend gespendete Niere erhalten hatten und sind damit vergleichbar denen der blutgruppenverträglichen Lebendnierentransplantationen.

Keines der Organe ging auf Grund der unterschiedlichen Blutgruppen von Spender und Empfänger verloren, so die Autoren. Auch das Patientenüberleben habe sich nicht zwischen den beiden Gruppen unterschieden. „Das Verfahren ist eine gute Möglichkeit für Nierenkranke, die einen blutgruppeninkompatiblen Nierenspender haben“, so Pisarski dem Deutschen Ärzteblatt.

Es müsse allerdings häufiger mit Lymphozelen gerechnet werden. In Freiburg haben bislang 27 Patienten eine Niere mit Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Spender und Empfänger erhalten, einige davon präemptiv, also vor Dialysepflichtigkeit. Sie können dann über Eurotransplant kein postmortales Organ erhalten, da die Dialysepflichtigkeit eine Voraussetzung für die Allokation von Nieren ist; die Patienten werden aber bei Eurotransplant registriert. Zusammen mit sieben weiteren Zentren sind bislang in Deutschland 55 lebend gespendete Nieren über die Blutgruppengrenze hinweg transplantiert worden. © nsi/aerzteblatt.de

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