Angers – Polyphenole wirken in niedrigen Dosen angiogenetisch und in hohen Dosen anti-angiogenetisch. Dies haben Wissenschaftler der Université d’Angers in einer Untersuchung ermittelt, die das Fachblatt FASEB Journal aktuell publiziert (2007;21: 3511-3521).
„Wenn es darum geht, Behandlungsmöglichkeiten für komplexe Erkrankungen zu finden, liegen die Antworten manchmal an sehr unerwarteten Stellen und warten nur darauf, gefunden zu werden, beispielsweise die Flaschen in den Weinregalen im Laden um die Ecke“, berichtet Gerald Weissmann im FASEB Journal. „Aber es bedarf moderner Wissenschaft, um eine Verbindung zu isolieren, sie im Labor zu testen und weitere Wirkstoffe zu finden.“
Polyphenole kommen üblicherweise in Rotwein, Früchten, Gemüse oder grünem Tee vor. Die französischen Forscher beschreiben in ihrer aktuellen Arbeit die unterschiedlichen Auswirkungen hoher und niedriger Dosen von Polyphenolen. So fanden sie zum Beispiel heraus, dass diese antioxidanten Verbindungen in sehr hohen Dosierungen in Tumoren die Neubildung von Gefäßen unterbinden und somit das Gesamtwachstum des Tumors behindern.
Den Autoren zufolge entspricht die Menge Polyphenole, die nötig wäre, um Krebswachstum wesentlich zu hindern, dem Konsum von einer Flasche Rotwein pro Tag. Da diese tägliche Menge an Alkoholzufuhr jedoch schädlich wäre, schlagen die Wissenschaftler vor, Polyphenole aus Pflanzen oder Rotwein zu extrahieren.
In niedrigen Dosierungen hingegen wirken Polyphenole gegenteilig auf das Gefäßwachstum, was bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen von Vorteil wäre. Hier entspricht die wirksame Menge etwa einem Glas Rotwein am Tag oder einfach dem Konsum von polyphenolhaltigem Obst oder Gemüse. „Vor allem die Nutzung pflanzlicher Polyphenole hat viele wichtige Vorteile, denn sie haben ein gutes Sicherheitsprofil, kosten wenig und sind fast überall erhältlich.“ betonte Daniel Henrion, Seniorautor der Studie. © hil/aerzteblatt.de