Hirnströme machen Schmerzen messbar
Donnerstag, 15. November 2007
London – Britische Wissenschaftler haben ein Nervensignal im menschlichen Gehirn entdeckt, das als Maß für die empfundene Schmerzstärke dienen kann. Die Wissenschaftler um Morton Kringelbach von der Universität Oxford fanden diesen Zusammenhang bei einer Studie an zwölf Menschen, die sich aufgrund chronischer Schmerzen hatten behandeln lassen. Die Aufzeichnung bestimmter Hirnströme bei den Patienten über Elektroden im Gehirn zeige den ersten objektiven Weg, die Intensität von Schmerzen zu messen, berichtet der Onlinedienst des Fachmagazins „Nature“ (DOI: 10.1038/450329b).
Bislang waren aus dem menschlichen Gehirn nur einzelne Zellen bekannt, die bei Schmerzen aktiv werden. Ihre Reaktion ist jedoch binär, das heißt, sie signalisieren lediglich entweder „Schmerz“ oder „kein Schmerz“. Nun konnten Kringelbach und seine Kollegen niederfrequente Hirnströme aufzeichnen, die bei Schmerzen von zwei Regionen tief im Gehirn ausgehen und umso länger anhalten, je stärker der Schmerz empfunden wird.
Die Wissenschaftler zeichneten die Aktivitäten auf, die von zwei Elektroden im Gehirn der Patienten registriert wurden. Während der Aufzeichnungen wurde entweder eine schmerzfrei oder eine schmerzempfindliche Region am Körper des Patienten berührt und die Patienten sollten regelmäßig die Stärke des empfundenen Schmerzes einstufen. Beim Vergleichen der aufgezeichneten Hirnströme untereinander und mit dem subjektiven Schmerzempfinden der Patienten während der Studie stellten die Forscher eine gute Übereinstimmung fest.
Mit diesem ersten objektiven Messkriterium für Schmerz könnten Mediziner unter anderem helfen, die sogenannte Tiefe Hirnstimulation bei Patienten zu verbessern, sagt Kringelbach. Bei dieser Therapieform werden über eingepflanzte Elektroden gezielt bestimmte Hirnregionen stimuliert, wodurch Schmerzen oder Bewegungsstörungen behandelt werden können.
Bislang geben die Elektroden bei diesen auch als Hirnschrittmacher bezeichneten Implantaten fortlaufend Signale ab, selbst wenn der Patient keine Schmerzlinderung benötigt, was die implantierte Batterie unnötig verbraucht. So könne eine Elektrode eingesetzt werden, die das Schmerzsignal empfange und nur in diesem Fall Signale zur Linderung aussende, hofft Kringelbach. Wie die Hirnströme, die die Intensität von Schmerzen anzeigen, auf Schmerz- oder Betäubungsmittel oder die elektrische Stimulation reagieren, wissen die Forscher jedoch noch nicht. © ddp/aerzteblatt.de
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