Medizin

Antibiotika: Häufige Unterdosierungen bei Adipösen

Freitag, 16. November 2007

Portland – Viele Medikamente werden bei Patienten mit Adipositas unterdosiert. Ein Gesundheitsrisiko ergibt sich nach einer Publikation in Pharmacotherapy (2007; doi: 10.1592/phco.27.8.1081) vor allem bei Antibiotikatherapien. Mit der Ausnahme von Chemotherapeutika in der Krebstherapie werden nur wenige Medikamente nach dem Gewicht oder der Körperoberfläche dosiert.

Zu den meisten Substanzen gibt es nach Auskunft von David Bearden von der Universität in Portland/Oregon noch nicht einmal pharmakokinetische Studien, die den Einfluss der Körpermasse zu den Wirkstoffspiegeln untersucht hätten. Die meisten Hersteller, bedauert der Pharmakologe, gingen davon aus, dass alle Erwachsenen zwischen 75 und 85 kg wiegen. Die Wirklichkeit sieht aber anders aus.

Allein in den USA sei die Zahl der extrem adipösen Menschen zwischen 1988 und 2000 um 600 Prozent gestiegen, schreibt Bearden. Dass die gleiche Dosis bei einem Menschen mit über 100 kg nicht die gleiche Wirkung erzielt wie bei einem Menschen mit 75 kg, liege aber auf der Hand.

Wenig Probleme gebe es bei Medikamenten, deren Wirkung sofort gemessen werden kann. Hierzu zählen Antihypertensiva oder Lipidsenker. Bei den meisten anderen Mitteln sei dies aber nicht möglich. Der Extremfall sind laut Bearden Antibiotika. Hier kann eine ausreichende Dosierung innerhalb weniger Tag über Leben und Tod der Patienten entscheiden.

Die Dosierung von Vancomycin und Aminoglykosiden sollte deshalb nach dem Körpergewicht erfolgen, fordert der Pharmakologe. Adipöse Menschen würden auch höhere Dosierungen von Beta-Laktam-Antibiotika benötigen, um die gleichen Plasmaspiegel wie bei Normalgewichtigen zu erzielen. Das gelte auch für Fluorochinolone und wahrscheinlich auch für die gegen gram-positive Erreger wirksamen Antibiotika Quinupristin-Dalfopristin, Linezolid und Daptomycin. Hier seien jedoch weitere Studien zur Pharmakokinetik erforderlich.

Völlig falsch wäre es, die Dosis linear zum Körpergewicht zu erhöhen, warnt der Pharmakologe. Das Verteilungsvolumen sei von vielen Faktoren abhängig, darunter auch von der Menge des Fettgewebes. Einige Medikamente würden dort in größerer Menge angereichert, andere jedoch nicht. Bei Medikamenten mit geringer therapeutischer Breite könne es schnell zu Dosierungsfehlern kommen. © rme/aerzteblatt.de 

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