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Interessenskonflikte beeinflussen Bewertung von Meta-Analysen

Montag, 19. November 2007

San Francisco – Meta-Analysen, die von Pharmafirmen gesponsert werden, liefern heute zwar statistisch korrekte Ergebnisse. Doch in der Bewertung bevorzugen die Publikationen einer retrospektiven Kohortenstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2007; doi:10.1136/bmj.39376.447211.BE) zufolge häufig die Wirkstoffe des Sponsors.

Meta-Analysen sind in den letzten Jahren zu einem Rückgrat der evidenzbasierten Medizin geworden. Die Berechnungen gelten, weil sie für die meisten Leser kaum noch nachvollziehbar sind, als besonders anfällig für Manipulationen. In den letzten Jahren hat es deshalb nicht an Vorwürfen gegenüber den Herstellern gefehlt, diese würden Meta-Analysen als Marketinginstrument nutzen und die Daten verzerrt darstellen. Veronica Yank von der Stanford Universität hat deshalb 124 Meta-Analysen zur antihypertensiven Therapie analysiert. Ihr Ergebnis: Die Tatsache, dass eine Meta-Analyse von einem oder mehreren Herstellern finanziell gefördert wurde, hatte auf die rein mathematischen Ergebnisse keinen Einfluss, wohl aber auf deren Interpretation. 

So kamen 92 Prozent aller von einer einzelnen Firma gesponserten Meta-Analysen zu einer positiven Bewertung des oder der Medikamente, obwohl nur 55 Prozent der statistischen Ergebnisse der Meta-Analysen diese Bewertung auch stützten. Dies ergibt eine „Lücke“ von 37 Prozent. Sie sinkt auf 21 Prozent, wenn die Meta-Analyse von mehreren Firmen gesponsert wurde. Keine Diskrepanz zwischen Daten und Interpretation bestand dagegen, wenn die Autoren ihre Untersuchung ohne Interessenskonflikte finanzierten.

Diese Verzerrung (“bias”) ist Yang zufolge den Herausgebern der Zeitschriften und den von ihnen beauftragten Gutachtern im sogenannten Peer Review offenbar entgangen. Diese müssten deshalb stärker darauf achten, dass Ergebnisse und Schlussfolgerungen übereinstimmen. 

Eine Alternative bestünde darin, firmengesponserte Studie nicht mehr zu publizieren. Dies stößt jedoch bei dem Editorialisten Richard Epstein von der University of Chicago Law School auf Ablehnung und zwar weniger aus rechtlichen Gründen, als aus der Angst, dass dann Meta-Analysen zu wichtigen Fragen gar nicht mehr durchgeführt würden. In der Hypertensiologie sind laut Epstein nämlich 60 Prozent aller Meta-Analysen firmengesponsert. Autoren von Leitlinien, die in einigen Bereichen, zu denen sicherlich auch die Hypertensiologie gehört, eher mit einer Überfülle, denn einem Mangel an Publikationen zu tun haben, mögen hier zu einer anderen Bewertung kommen. © rme/aerzteblatt.de

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