Hepatozelluläres Karzinom: Sorafenib verlängert Leben
Dienstag, 20. November 2007
Washington – Die amerikanische Arzneibehörde FDA hat den Kinase-Inhibitor Sorafenib zur Behandlung des inoperablen hepatozellulären Karzinoms zugelassen. Grundlage sind die Ergebnisse einer Phase-III-Studie, in der Sorafenib die Überlebenszeit der Patienten um 2,8 Monate verlängerte.
Damit sind die therapeutischen Möglichkeiten von Sorafenib, das in Deutschland als Nexavar® seit Juli 2006 zur Behandlung des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms zugelassen ist, sicherlich beschränkt. Es handelt sich aber um das erste Medikament, mit dem überhaupt eine lebensverlängernde Wirkung bei der Krebserkrankung erzielt wurde. Das hepatozelluläre Karzinom (HCC), eine Spätfolge der chronischen Hepatitis B, ist in erster Linie in Ostasien verbreitet, wo das HCC jedes Jahr bei 390.000 Patienten neu diagnostiziert wird. In den Industrieländern ist der Tumor – bisher – selten.
Der Hersteller Bayer Healthcare nennt in seiner Pressemitteilung für Europa 54.000 Neuerkrankungen pro Jahr, was ein wenig hoch gegriffen erscheint. In der Literatur wird die Inzidenz mit bis zu 3,0 pro 100.000 Einwohner (Annals of Internal Medicine 2003; 139: 817-823) angegeben, was auf Deutschland bezogen nicht mehr als 200 Neuerkrankungen pro Jahr bedeuten würde. Die allermeisten Tumore der Leber sind und bleiben Metastasen, für deren Behandlung Sorafenib nicht zugelassen ist.
Wenn die Experten Recht behalten und die Zahl der Hepatitis-C-Erkrankungen in den nächsten Jahren stark ansteigt (als Spätfolge der Non-A-Non-B-Hepatitiden aus der Zeit vor Einführung des Hepatitis-C-Screenings), dann könnte das HCC jedoch auch hierzulande zu einem Problem werden. Denn das HCC ist auch eine Folge der chronischen Hepatitis C.
Die meisten HCC werden in einem späten Stadium entdeckt, in dem der Tumor nicht mehr operabel ist. Bisher gab es dann keine Therapiemöglichkeiten. Sorafenib verspricht hier erstmals eine Option. Das Medikament hemmt in den Tumorzellen mehrere Kinasen, die Zellproliferation und Angiogenese steuern. In der „Sorafenib HCC Assessment Randomized Protocol“ oder SHARP-Studie, die bereits im Juni auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology in Chicago vorgestellt wurde, verlängerte Sorafenib die Überlebenszeit von 7,9 auf 10,7 Monate, was auf ein verlangsamtes Tumorwachstum zurückzuführen ist. Stoppen kann der „Multi-Kinase-Inhibitor“ den Leberkrebs nicht.
Für die geringgradig verbesserte Prognose müssen die Patienten Nebenwirkungen inkauf nehmen. Am häufigsten sind Abgeschlagenheit („fatigue“), Gewichtsverlust, Hautausschlag, Haarverlust, Durchfall, Anorexie, Nausea und abdominale Beschwerden. Jeder fünfte Patient leidet nach Angaben der FDA unter wenigstens einer dieser Nebenwirkungen.
Eine koronare Minderdurchblutung oder ein Herzinfarkt wurden bei 2,7 Prozent der Patienten diagnostiziert und damit doppelt so häufig wie im Placebo-Arm. Eine Hypertonie trat bei 9 Prozent gegenüber 4 Prozent unter Placebo auf, wie die FDA mitteilt. Hinzu kommen laborchemische Veränderungen, darunter auch ein Anstieg der Leberenzyme. © rme/aerzteblatt.de
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