Medizin

Depression und elf weitere Osteoporoserisiken

Mittwoch, 28. November 2007

Sacramento/Bethesda – US-Mediziner stellen in JAMA (2007; 298: 2389-239) einen Kalkulator vor, mit dem das Risiko von Hüftfrakturen berechnet werden kann. Er basiert auf 11 Risikofaktoren, die in der Women’s Health Initiative (WHI) an postmenopausalen Frauen ermittelt wurde. Bei prämenopausalen Frauen gehört auch die Depression zu den Risikofaktoren, wie aus einer Publikation in den Archives of Internal Medicine (2007; 167: 2329-2336) hervorgeht. 

Die meisten Hüftfrakturen treten bei Frauen auf. Sie ereignen sich meistens jenseits der Menopause. Von den 93.676 Teilnehmerinnen der WHI-Nachfolgestudie traf es in bisher 7,6 Jahren Nachbeobachtung 1.132 Frauen. John Robbins von der Davis School of Medicine in Sacramento/Kalifornien hat die Daten ausgewertet, um die – bekannten –Risikofaktoren in ein quantitatives Verhältnis zueinanderzusetzen.

Herausgekommen ist ein „Hip Fracture Risk Calculator“, der jetzt im Internet vorgestellt wurde. Er wurde an den Teilnehmerinnen aus dem ersten Teil der WHI einer ersten Prüfung (Validierung) unterzogen. Es dürfte sich also um ein hochwertiges Instrument handeln, das auch für deutsche Verhältnisse interessant sein könnte.

Der Rechner basiert auf 11 Risikofaktoren und gibt das kumulative Risiko auf eine osteoporotische Fraktur in den nächsten 5 Jahren an. Dieses Risiko kann bei einer ungünstigen Konstellation, etwa bei hohem Alter, schlechtem Gesundheitszustand (in der Selbsteinschätzung), geringem Gewicht, großer Körperlänge, weiße Ethnie, fehlender körperlicher Bewegung, früheren Hüftfrakturen, positiver Familienanamnese, Takakkonsum, Steroidtherapie und behandeltem Diabetes mehr als 30 Prozent betragen. Bei diesen Patienten könnte ein Osteoporose-Screening oder eine präventive Therapie auch ökonomisch sinnvoll sein. Für weitere Studien stände jetzt ein geeignetes Instrument zur Verfügung.

Die Weichen für osteoporotische Frakturen werden häufig schon früh gestellt, nämlich in einem beschleunigten Abbau der Knochendichte, der lange vor der Menopause einsetzt. Zu den bisher hier nicht bedachten Risikofaktoren gehört möglicherweise eine Major-Depression, wie die Ergebnisse einer Fall-Kontroll-Studie von Mitarbeitern des US-National Institute of Mental Health (MIMH) in Bethesda/Maryland zeigt.

Die NIMH-Gruppe um Giovanni Cizza verglich die Knochendichte von 98 Frauen mit Major-Depression und 44 mental gesunden Kontrollen: 17 Prozent der depressiven Frauen hatten im Femurhal eine verminderte Knochendichte (T-Score kleiner als –1 in der dualen Röntgenabsorptiometrie) gegenüber nur 2 Prozent in der Kontrollgruppe. Auch in den Lumbalwirbeln hatten Frauen mit Major-Depression deutlich häufiger eine niedrige Knochendichte (20 Prozent vs. 9 Prozent).

Die Ursache sei jedoch nicht in der Einnahme von Antidepressiva zu suchen, versichern die Autoren. Zwei im Sommer in den Archives of Internal Medicine (2007; 167: 1240-1245 und 1246-1251) publizierte prospektive Kohortenstudien hatten die Einnahme von Antidepressiva aus der Gruppe der selektiven Serotonin Reuptake Inhibitoren (SSRI) mit einem beschleunigten Knochenabbau in Verbindung gebracht. Beide Studien waren jedoch bei postmenopausalen Frauen durchgeführt worden. Die jetzige Studie an prämenopausalen Frauen konnte ein derartiges Risiko nicht bestätigen. 

Als Ursache für das Osteoporoserisiko kommen laut Cizza am ehesten negative Auswirkungen der Depression auf das Immunsystem infrage. Depressionen steigern die Ausschüttung des Stresshormons Adrenalin, was wiederum die Bildung pro-inflammatorischer Zytokine fördert. Wenigstens eines dieser Zytokine, nämlich Interleukin 6, ist in der Lage, den Knochenabbau zu steigern. Tatsächlich kann die Gruppe um Cizza zeigen, dass Frauen mit Depressionen eine erhöhte Konzentration von pro-inflammatorischen Zytokinen im 24-Stunden-Urin haben. © rme/aerzteblatt.de

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