Ausland

Frankreich: Wende im spektakulären Sterbehilfe-Fall

Freitag, 30. November 2007

Paris – Im spektakulärsten Fall von aktiver Sterbehilfe in Frankreich in den letzten Jahren gibt es eine überraschende Wende. Der Masseur und Bewegungstherapeut eines vor vier Jahren durch Hilfe eines Arztes und seiner Mutter getöteten jungen Mannes erklärte gestern in einem Zeitungsinterview, der Betroffene habe gar nicht sterben wollen. Er sei manipuliert worden.

Das angeblich von dem 22-jährigen Querschnittsgelähmten verfasste Gesuch an den damaligen französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac, ihn sterben zu lassen, stamme gar nicht von ihm, so der Bewegungstherapeut. Das gelte auch für ein als Testament verfasstes Buch. Ausgangspunkt für die Sterbehilfe sei die Isolation der Mutter gewesen, die mit der Lage nicht zurechtgekommen sei.

Die Staatsanwaltschaft hatte 2006 auf ein Geschworenenverfahren gegen die Mutter des Betroffenen und dessen Arzt verzichtet und das Verfahren eingestellt. Der Fall erregte im Herbst 2003 in Frankreich großes Aufsehen. Dabei ging es um den jungen Querschnittgelähmten Vincent Humbert, der nach einem schweren Verkehrsunfall im Jahr 2000 mehrfach öffentlich verlangt hatte, ihn sterben zu lassen. Seine Mutter und der Arzt verabreichten dem 22-Jährigen eine tödliche Substanz. 

Der Krankenpfleger veröffentlichte seine Aussagen wenige Tage vor der Ausstrahlung eines Porträts der Mutter am Montag im Fernsehsender TF1. Er verschickte seine Aussage zugleich per DVD an französische Politiker und Journalisten. Befürworter der Sterbehilfe warfen ihm vor, die DVD sei von einer der katholischen Kirche nahe stehenden Organisation finanziert worden, die Sterbehilfe ablehne.

Unter anderem als Reaktion auf den spektakulären Fall hatte das französische Parlament 2005 ein Gesetz zur Sterbehilfe verabschiedet. Aktive Sterbehilfe bleibt danach auch weiter eine Straftat. Präzise Regelungen enthält das Gesetz aber für Fälle, in denen eine Behandlung unheilbar Kranker eingestellt wird. Ärzte dürfen die Behandlung Sterbenskranker einstellen oder begrenzen, wenn das vom Patienten gewünscht wird. © kna/aerzteblatt.de

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