Medizin

Forscher verhindern bei Mäusen Folgen von Herzinfarkten

Mittwoch, 5. Dezember 2007

London – Ein deutsch-amerikanisches Forscherteam hat in Versuchen mit Mäusen die Folgen von Herzinfarkten erfolgreich behandelt. Die Wissenschaftler spritzten den Tieren nach einem künstlich ausgelösten Infarkt embryonale Herzzellen ein. Die Mäuse wurden dadurch vor den lebensgefährlichen Rhythmusstörungen geschützt, die häufig nach einem Infarkt auftreten. Die Arbeitsgruppen um Bernd Fleischmann von der Universität Bonn stellen ihre Ergebnisse im Fachmagazin „Nature“ vor (2007; 450: 819).

Bei einem Herzinfarkt wird der Herzmuskel oft über mehrere Minuten lang nicht durchblutet. Als Folge dieser Mangeldurchblutung können Herzrhythmusstörungen oder Herzflimmern auftreten. Mediziner arbeiten daher seit langem an Verfahren, durch Zelltransplantationen die Reparatur des Muskelgewebes zu fördern und so diese Folgeschäden zu verhindern.

Die dazu bisher in klinischen Studien verwendeten Zellen aus dem Knochenmark oder aus Skelettmuskelfasern verfügen nicht über eine wichtige Fähigkeit, die ein funktionierendes Herz braucht: die Kommunikation der Zellen untereinander. Im Herz sorgen spezielle Eiweißkanäle zwischen den Zellen für die Weiterleitung der elektrischen Impulse. Besonders ein Eiweiß namens connexin 43 ist für den Informationsaustausch verantwortlich, fanden die Wissenschaftler heraus.

Werden nun die transplantierten Zellen dazu gebracht, dieses Eiweiß zu produzieren, kann das Herz nach einem Infarkt wieder seine ursprüngliche Leistung erreichen, ergaben die Tests: So traten bei Mäusen mit connexin 43 nur in 37 Prozent der Fälle Herzrhythmusstörungen auf - genauso viel wie bei Tieren ohne vorhergehenden Infarkt. Ohne das Kopplungs-Eiweiß waren hingegen alle Mäuse von Herzrhythmusstörungen betroffen.

Die Implantation von körpereigenen Zellen könnte auch beim Menschen eine erfolgversprechende Therapieform bei Infarkten sein, hoffen die Wissenschaftler. Denn für eine erfolgreiche Transplantation sind nur wenige Zellen nötig. Dazu könnten Zellen aus dem Beinmuskel eines Infarktpatienten entnommen und mit dem Gen für connexin 43 aufgerüstet werden, erklärt Michael Kotlikoff von der Cornell-Universität in Ithaca, einer der beteiligten Forscher.

Diese veränderten Zellen ließen sich dann in das geschädigte Herz implantieren. Da für dieses Verfahren keine embryonalen Zellen nötig sind, wäre der Eingriff ethisch unbedenklich. Bei der Übertragung der Ergebnisse auf den Menschen warnt Fleischmann allerdings vor allzu großen Hoffnungen: „Unsere Ergebnisse gelten für das Mausherz. Ob das beim Menschen ebenfalls so klappt, bleibt abzuwarten.“ © ddp/aerzteblatt.de

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