Ausland

Organspenden: EU-Gesundheitsminister setzen auf Kooperation

Donnerstag, 6. Dezember 2007

Brüssel – Die EU-Gesundheitsminister begegnen der geplanten Initiative der Europäischen Kommission zur Förderung der Organspendebereitschaft in Europa mit Zurückhaltung. „Das ist ein sehr sensibles Thema“, sagte Marion Caspers-Merck vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) auf einem Treffen Regierungsvertreter in Brüssel. Erforderlich sei ein Ansatz, der die Interessen der Spender und Empfänger nach Sicherheit berücksichtige, ohne die Bereitschaft zur Spende zu hemmen, so Caspers-Merck.

Die Europäische Kommission will im kommenden Jahr einen Regelungsvorschlag vorlegen, der gemeinsame Standards zur Qualität und Sicherheit von Organspenden und -transplantationen festschreiben soll. Er soll vor allem dazu dienen, den EU-weiten Mangel an Spenderorganen zu beheben und den illegalen Organhandel zu bekämpfen. Die Behörde erwägt dabei auch, die Bereitschaft zu Lebendspenden zu fördern. Die Regierungen befürworten hingegen einen Ansatz, der die freiwillige Zusammenarbeit zwischen den Ländern fördert, um so bewährte Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen EU-weit durchzusetzen.

In Europa stehen derzeit rund 40.000 Patienten auf den Wartelisten für Organspenden. Zwar bemühen sich zahlreiche Länder, darunter Deutschland, mit aufwändigen Kampagnen, die Spendebereitschaft in der Bevölkerung zu steigern, allerdings oft nur mäßigem Erfolg. Die höchste Spenderate weist derzeit Spanien auf. Auf eine Million Menschen kommen hier 33 bis 35 Spender jährlich. Die niedrigste Quote hat Griechenland mit sechs Spendern auf eine Million Einwohner. Der EU-Durchschnitt liegt bei 18 Organspendern pro eine Million Einwohner.

Deutsche Ärzteorganisationen bewerten die geplante Initiative der Kommission kritisch. „EU-weite Regelungen können den allgemeinen Mangel an Spenderorganen nicht beheben“, meint beispielsweise die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG). Die DKG fürchtet vielmehr einen vermehrten Verwaltungsaufwand und steigende Kosten durch die von der Kommission geforderten Qualitäts- und Sicherheitsstandards, ähnlich wie bei der EU-Geweberichtlinie.

Auch die Bundesärztekammer (BÄK) hegt Bendenken gegen die Pläne der Kommission. Sie fürchtet allzu weitreichende Eingriffe in die Struktur und Regelung der Transplantationsmedizin in den einzelnen EU-Staaten. „Zunächst sollte es darum gehen, innerhalb der EU eine für alle Patienten vergleichbare transplantationsmedizinische Versorgung zu gewährleisten“, heißt es in einer Stellungnahme der BÄK. Erst danach könne über eine EU-weite Harmonisierung nachgedacht werden. © ps/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

4.360 News Ausland

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige