Medizin

Stammzellforscher heilen Sichelzellanämie (bei der Maus) durch autologe reprogrammierte Hautzellen

Freitag, 7. Dezember 2007

Cambridge – US-Forscher haben bei Mäusen eine Sichelzellanämie geheilt. Sie infundierten den Tieren Stammzellen, die sie vorher durch Reprogrammierung von Fibroblasten aus dem Schwanz der Tiere gewonnen hatten. Ihre Publikation in Science (2007; doi: 10.1126/science.1152092) belegt die Praktikabilität einer adulten Stammzelltherapie, ist aber derzeit aus Sicherheitsgründen kaum auf den Menschen übertragbar. 

In der Stammzellforschung überschlagen sich derzeit die Ereignisse. Erst vor zwei Wochen hatten, wie berichtet, zwei Forschergruppen berichtet, dass sie beim Menschen Fibroblasten aus der Haut in Stammzellen „zurückverwandeln“ können. Ein Jahr zuvor war dies als erstem dem japanischen Forscher Shinya Yamanaka von der Universität Kioto bei Mäusen gelungen. Der Forscher hatte mit Hilfe von Viren vier Gene in die Fibroblasten eingeschleust, die dann die Eigenschaften von induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS) annahmen. 

Um diese Zellen therapeutisch zu nutzen, müssen sie wieder zu Zellen differenziert werden, die im Organismus bestimmte Aufgaben übernehmen. Um eine Sichelzell-Anämie zu behandeln, waren zwei Schritte notwendig, berichtet die Gruppe um Rudolf Jaenisch vom Whitehead Institute for Biomedical Research in Boston. Zunächst mussten die iPS in hämatopoetische Stammzellen ausdifferenziert werden, was die Forscher seit langem beherrschen. Doch mit diesen hämatologischen Stammzellen hätten die Forscher die Sichelzellanämie nicht behandeln können. Da sie vom erkrankten Tier selbst stammen, enthalten sie die Mutation an Position 6 der beta-Untereinheit des Hämoglobin-Gens, die Ursache der Sichelzellanämie ist.

Aber auch dies stellte heute keine unüberwindliche Hürde mehr dar. Mittels Gene-Targeting (Nobelpreis 2007) können einzelne Gene in Zellen ausgetauscht werden. Der Rest ist in der Knochenmarktransplantation (heute Stammzelltherapie genannt) hämatologischer Erkrankungen seit langem Routine. Die Forscher zerstörten das Knochenmark der Tiere durch Bestrahlung, um es dann durch die genetisch korrekten Zellen wieder neu aufzubauen. Am Ende waren die Tiere von der Sichelzellanämie geheilt.

Eine Anwendung beim Menschen kommt derzeit aber nicht infrage. Zum einen konnte das Problem der möglichen Krebsinduktion noch nicht gelöst werden. Die Forscher entfernen zwar das für die Reprogrammierung nötige Krebs-Gen c-myc wieder aus den Stammzellen, bevor sie die Zellen transplantierten. Es bleibt jedoch ein Restrisiko, das sich daraus ergibt, dass zur Reprogrammierung Retroviren eingesetzt werden, deren Sicherheit nicht über alle Zweifel erhaben sind, wie Jaenisch anmerkt.

Die Forscher arbeiten deshalb daran, die vier für die Reprogrammierung notwendigen Gene auf andere Weise in die Zelle zu schleusen oder die in der Zelle vorhandenen Versionen dieser Gene zu aktivieren. Bis dies gelungen sei, werde die Forschung auf embryonale Stammzellen nicht verzichten können, sagt Jaenisch. © rme/aerzteblatt.de

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