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Wie Schwangere ihr Gleichgewicht halten

Donnerstag, 13. Dezember 2007

Boston – Eine Verstärkung der Lendenlordose und der Zwischenwirbelgelenke ermöglicht Schwangeren einen (weitgehend) unbeschwerten aufrechten Gang, berichten Anthropologen in Nature (2007; 450, 1075-1078).

Könnten Männer schwanger werden, hätten sie bald das Gefühl vorne überzukippen. Mit zunehmender Dauer der Schwangerschaft verlagert sich nämlich der Schwerpunkt des Körpers nach vorne. Wenn er vor der Ebene des Hüftgelenks liegt, kann der Körper die Balance nicht mehr halten. Schwangere Frauen kippen niemals um, nicht weil sie im Allgemeinen geschickter wären als Männer. Sie verdanken die Aufrechterhaltung des zweibeinigen Ganges in Zeiten der Schwangerschaft vielmehr anatomischen Besonderheiten ihrer Lumbalwirbelsäule, die bisher unentdeckt blieben. 

Bekannt ist, dass die Wirbelsäule bei beiden Geschlechtern im unteren Bereich nach vorne gekrümmt ist. Doch erstreckt sich diese Lordose nur bei der Frau über drei Lumbalwirbel, wie die Anthropologin Katherine Whitcome von der Harvard Universität in Cambridge/Massachusetts herausgefunden hat. Bei Männern ist sie auf zwei Wirbel beschränkt. Bei der Frau sind außerdem die kleinen Zwischenwirbelgelenke um 14 Prozent größer als beim Mann und zudem in einem etwas anderen Winkel als beim Mann aufgestellt. Dies vermindere die Tendenz der Wirbel nach vorne abzugleiten und entlaste damit die Rückenmuskulatur, sagt die Forscherin.

Ohne diese anatomischen Besonderheiten wäre die Schwangerschaft anstrengender für die Frau. Sie hätte in früheren Zeiten die Fortbewegung so sehr eingeschränkt, dass schwangere Frauen zur leichten Beute von wilden Tieren geworden wären, vermutet Whitcome. Deshalb habe sich die vermehrte Lordose schon früh in der Evolution des Menschen herausgebildet. Die Veränderungen fänden sich bereits beim Homo australopithecus, der vor zwei bis drei Millionen Jahren lebte. Bei Schimpansen sei sie dagegen noch nicht nachweisbar. © rme/aerzteblatt.de

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