Medizin

Galvanotherapie ist eine schonende Behandlung des Prostatakarzinoms

Mittwoch, 19. Dezember 2007

Frankfurt – Die mittels Magnetresonanztomografie (MR) gesteuerte Galvanotherapie ist eine sichere Methode zur gezielten Behandlung eines Prostatakarzinoms. Das berichten Radiologen des Frankfurter Universitätsklinikums in der Zeitschrift Radiology (2007; 245: 895-902).

„In unserer Studie konnten wir belegen, dass dieser neue Therapieansatz eine sichere Methode zur gezielten Bekämpfung des Prostatakarzinoms darstellt. Wir können mit diesem Verfahren das betroffene Organ in seiner Funktion erhalten und gesundes Gewebe im Vergleich zu herkömmlichen Methoden gezielter vor einer Schädigung bewahren“, so Thomas Vogl, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie (IDIR) am Frankfurter Universitätsklinikum.

Er hatte das Verfahren zusammen mit Heinz Mayer vom Regensburger Kompetenzzentrum für nicht operative, minimal invasive Tumortherapie entwickelt.An der Studie war neben den Teams aus Frankfurt und Regensburg auch die Abteilung für Radiologie der Medical University of South Carolina (USA) beteiligt.

Vogl und sein Team haben für die prospektive Phase-III-Studie 44 Patienten mit histologisch nachgewiesenem Prostatakarzinom mit der Galvano-Therapie im Zeitraum von Februar 2005 bis August 2006 behandelt. Das durchschnittliche Alter der behandelten Patienten betrug 63,1 Jahre. Sie alle vertrugen die MR-gesteuerte Galvanotherapie ohne schwerere Nebenwirkungen oder Komplikationen.

Es kam bei sechs Patienten zu Problemen beim Harnlassen, jedoch waren diese ohne weitere ärztliche Intervention reversibel. Fünf Patienten berichteten über ein vorübergehendes Taubheitsgefühl eines Beins. Die Tumorgröße konnte im Schnitt von 1,9 Kubikzentimeter auf 1,12 Kubikzentimeter reduziert werden, was einer Größenreduktion um durchschnittlich 41 Prozent entspricht.

Die Kontrolluntersuchung zwölf Monate nach der Behandlung zeigte folgende Resultate: Bei einem Patienten war der Tumor vollständig zurückgegangen, ein partieller Tumorrückgang war bei 18 Patienten festzustellen. Bei 23 Patienten war der Krankheitszustand stabil. Zwei Patienten wiesen ein progressives Größenwachstum auf. Metastasen waren bei keinem Patienten nachweisbar.

Die Behandlung erfolgte drei Mal in Intervallen von einer Woche, während dieser Behandlungsphase wurde dem Tumor Gleichstrom in einer Gesamtmenge von maximal 350 Coulombs zugeführt. Die Messung des prostataspezifischen Antigens (PSA) und des Tumorvolumens erfolgte drei, sechs und zwölf Monate nach der Behandlung. Das neue Verfahren eignet sich laut Studie besonders für Tumore mit einem Durchmesser von maximal acht Zentimetern.

Hintergrund: Die Galvanotherapie ist eine physikalisch-elektrische Methode. Mittels positiv und negativ geladener Elektroden wird Gleichstrom in den Tumor eingebracht. Dem Patienten werden hierfür unter örtlicher Betäubung zwei Platin-Elektroden durch die Gesäßmuskulatur (transgluteal) über eine Punktionsnadel in den rechten und linken Prostataanteil gestochen, ohne dabei Darm und Blase zu verletzen. Dies ermöglicht die Steuerung mittels der Magnetresonanztomografie.

Das Verfahren zielt auf die elektrophysikalischen Eigenschaften der Zellen des Tumorgewebes. In den Tumorzellen sind im Gegensatz zu gesunden Zellen die Ionenkonzentrationen sehr viel höher, was einen geringeren Widerstand und dadurch eine Fokussierung des Stromes auf das erkrankte Gewebe zur Folge hat. Durch diesen Mechanismus ist es möglich, das gesunde Gewebe zu schonen und das Organ als Ganzes zu erhalten. © hil/aerzteblatt.de 

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