Politik

Huber distanziert sich im Stammzellstreit von katholischer Position

Freitag, 4. Januar 2008

Frankfurt/Main – Überraschend deutlich hat sich der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, der Berliner Bischof Wolfgang Huber, im Stammzellstreit auf die Seite von Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) gestellt und die katholische Kirche kritisiert. Sein Gastbeitrag wurde von der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (27.12.2007) durch die Überschrift „Auch der katholische Mensch kann irren“ als Polemik ausgewiesen. Eine Antwort des Osnabrücker katholischen Theologen Manfred Spieker veröffentlichte das Blatt am 2. Januar.

Huber, der in der Debatte um die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen „Züge eines Kulturkampfs“ erkennen will, verteidigte zunächst seine Position einer einmaligen Verschiebung des Stichtags. Sie sei kein Kurswechsel. Er räumte ein, dass es in der „Mitte“ der evangelischen Kirche unterschiedliche Auffassungen zu dem Streit gebe, um dann einige „Klarstellungen“ an die katholische Kirche zu adressieren.

Bei Katholiken und Protestanten gebe es unterschiedliche Vorstellungen vom Verhältnis zwischen dem kirchlichen Lehramt und der politischen Verantwortung der einzelnen Christen, so Huber. Während auf katholischer Seite „das Lehramt“ die Grenze ziehe zwischen dem, was verhandelbar sei und was nicht, sei es aus protestantischer Sicht in ethischen Fragen „nicht nur legitim, sondern geradezu notwendig“, kontroverse Standpunkte auch innerhalb der Kirche klar auszusprechen. „Sie werden dadurch 'verhandelbar'. Manche Positionen wie die Herstellung von Embryonen zu Forschungszwecken „werden dabei schlechterdings ausscheiden“, fügte er hinzu. Andere seien „im Für und Wider respektvoll abzuwägen“ - das gelte beispielsweise für die Stichtagsregelung.

Im ökumenischen Gespräch müsse die evangelische Kirche fragen, „ob die katholische Auffassung von der Aufgabe des Lehramts der menschlichen Irrtumsfähigkeit genügend Rechnung trägt, ob sie der Gewissensverantwortung der einzelnen Christen, gerade auch in der Politik, genügend Raum lässt und ob sie dem Verhältnis von Kirche und Politik gut tut“.

Zum Streitpunkt Stammzellforschung meinte Huber, dass Embryonen keine „Sache“ seien, mit denen man nach Belieben verfahren könne. Andererseits schloss er sich denjenigen Stimmen aus der Wissenschaft an, nach deren Ansicht um der Forschung mit adulten Stammzellen willen „gegenwärtig noch“ eine Forschung mit embryonalen Stammzellen nötig sei: „Die Forschung mit embryonalen Stammzellen bleibt eine Gratwanderung. Deshalb befürworte ich sie nur für einen begrenzten Zeitraum.“

Spieker warf Huber in seiner Replik vor, er mache sich zum kirchlichen Anwalt der Forschungslobby in der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Er übernehme unkritisch deren Begründung und bringe Argumente vor, „die gelegentlich mit der Logik schwer in Einklang zu bringen sind“. Eine Entscheidung, so Spieker, „die aus Unverhandelbarem Verhandelbares macht“, werde aber nie zu der angestrebten Befriedung führen, wie die seit 35 Jahren andauernden Kontorversen um das Abtreibungsrecht zeigten. Hubers Intervention bedeute „das Ende der ökumenischen Gemeinsamkeit in den Fragen der modernen Biomedizin“. © kna/aerzteblatt.de

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