Politik

Embryonenschutz: Landesbischof distanziert sich von Huber

Mittwoch, 9. Januar 2008

Köln – In der evangelischen Kirche gibt es Streit um den Embryonenschutz. In der Debatte um den Stichtag des Stammzellgesetzes distanzierte sich Braunschweigs Landesbischof Friedrich Weber vom Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber. „Wir haben hier keinen Streit zwischen zwei Konfessionen, denn Bischof Huber beschreibt keine für die ganze evangelische Kirche verbindliche Sichtweise“, sagte der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) der Kölnischen Rundschau vom Donnerstag.

Weber schloss sich der Auffassung katholischer Bischöfe an, dass ein Embryo ein Mensch sei, über den nicht als bloßes Mittel zum Zweck verfügt werden dürfe. Das gelte auch für die medizinische Forschung. „Das ist eine christliche Position und nicht nur eine katholische. Es ist auch meine Position“, hob Weber hervor. Huber hatte im Stammzellstreit jüngst die katholische Kirche kritisiert und sich auf die Seite von Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) gestellt, die für eine einmalige Verschiebung des Stichtags für den Import embryonaler Stammzellen eintritt.

Auch der Mainzer katholische Moraltheologe Johannes Reiter warnte davor, in dieser Frage einen Keil zwischen Katholiken und Protestanten zu treiben. Es gebe auch evangelische Bischöfe, die eine Tötung von Embryonen zu Forschungszwecken ablehnten, sagte er im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Huber selber habe diese Position bis November 2006 so vertreten und erst danach seine Meinung geändert.

Reiter wies auch den Vorwurf des Fundamentalismus gegen die katholische Kirche zurück. „Wenn Leben von Menschen manipuliert, bedroht, verwertet oder vernichtet werden soll, muss die Kirche aufschreien“, sagte er. Auch in der Menschenrechtserklärung der UNO und im Grundgesetz sei der Lebensschutz garantiert. „Keiner käme auf die Idee, hier fundamentalistische Positionen zu sehen.“

In Deutschland dürfen nur solche Stammzellen zur Forschung verwendet werden, die vor dem Stichtag 1. Januar 2002 im Ausland gewonnen wurden. Damit soll verhindert werden, dass ein Anreiz zur Vernichtung weiterer menschlicher Embryonen geschaffen wird. Noch im Frühjahr will der Bundestag darüber abstimmen, ob dieser Stichtag verschoben oder ganz aus dem Gesetz gestrichen wird. © kna/aerzteblatt.de

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