Medizin

Leukämie: ALL-Stammzelle bei Zwillingen entdeckt

Freitag, 18. Januar 2008

Oxford – Der seltene Fall einer Leukämieerkrankung bei einem monochorialen Zwilling bot britischen Experten in Science (2008; 319: 336-339) die Möglichkeit, die Stammzellenhypothese der Akuten Lymphoblastischen Leukämie (ALL) zu beweisen. Die Stammzellhypothese besagt, dass die ALL und möglicherweise auch andere Leukämieformen, in zwei Schritten entstehen.

Im ersten Schritt entsteht eine tumorpropagierende Zelle (die Krebs-Stammzelle), aus der sich dann in einem zweiten Schritt eine Leukämiezelle entwickelt. Die Forscher vermuten seit einige Zeit, dass bei einer Variante der ALL, der common ALL, der erste Schritt in einer chromosomalen Translokation besteht: Zwei Abschnitte von unterschiedlichen Chromosomen werden zu einem neuen Gen, dem TEL-AML1-Gen, fusioniert. Dies sind die prä-leukämischen Krebs-Stammzellen, denen im zweiten Schritt dann die ALL entsteht.

Tariq Enver von der Oxford Universität kann diese Hypothese jetzt durch die Untersuchung eines Zwillingspaares belegen. Isabella und Olivia sind monochoriale Zwillinge. Sie teilten sich im Uterus die gleiche Plazenta. Damit erfolgte auch ein Blutaustausch zwischen den beiden Feten. Olivia erkrankte im Alter von 2 Jahren an einer cALL. Wenn die Stammzellhypothese zutrifft und der erste Schritt zur Krebserkrankung bereits im Uterus erfolgt, dann sollten die Krebs-Stammzellen auch bei derzeit (noch?) gesunden Isabella nachweisbar sein.

Genau dies war der Fall. Im Blut von Isabella fanden die Forscher Leukozyten mit der TEL-AML1-Translokation. Dass diese Zellen tatsächlich das Potenzial haben, sich zur Leukämie zu entwickeln, belegen die Forscher in einem Experiment an immundefizienten Mäusen. Diese erkrankten nach der Infusion der Krebs-Stammzellen an einer Leukämie. Ob auch das derzeit noch gesunde Mädchen Isabella später einmal an Leukämie erkranken wird, ist nicht bekannt. Enver schätzt die Chancen auf etwa zehn Prozent.

Die Wahrscheinlichkeit sei jedenfalls zu gering, um derzeit eine Chemotherapie bei dem Mädchen zu rechtfertigen, um die Krebs-Stammzelle zu entfernen. Die Risiken der Therapie seien eindeutig höher als das potenzielle Krebsrisiko. Wenn die Leukämie noch im Kindesalter auftritt, sind die Chancen einer Heilung gut. Sie liegen mittlerweile bei 90 Prozent. Bei Olivia wurde die Leukämie bereits erfolgreich behandelt. Die Therapie verlief jedoch nicht komplikationslos. Nach einer Augeninfektion erblindete das Mädchen auf einem Auge. © rme/aerzteblatt.de

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