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Aspirinresistenz erhöht Herzinfarkt- und Sterberisiko

Freitag, 18. Januar 2008

Hamilton – Bei etwa einem Viertel aller Menschen kommt es nach Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) nicht zu einer (ausreichenden) Hemmung der Thrombozytenaggregation. Diese Patienten mit “Aspirinresistenz” haben nach den Ergebnissen einer systematischen Analyse im Britischen Ärzteblatt BMJ (2008; doi: 10.1136/bmj.39430.529549.BE) eine deutlich erhöhte kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität.

Es war lange umstritten, ob es so etwas wie eine Aspirinresistenz überhaupt gibt und noch immer existiert kein allgemein anerkannter Labortest zum Nachweis dieser häufigen Störung, beklagt die Gruppe um Michael Buchanan von der McMaster Universität in Hamilton im kanadischen Gliedstaat Ontario. Dabei ist die Störung sehr häufig. In den von den Forschern ausgewerteten 20 Studien mit 2.930 Patienten, die wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit ASS in der Dosis von 75 bis 325 mg/die behandelt wurden, hatten 28 Prozent eine Aspirinresistenz, die in den Untersuchungen auf unterschiedliche Weise definiert wurde.

Die Analyse von Buchanan zeigt, dass diese Patienten ein 3,85-fach erhöhtes Risiko auf ein kardiovaskuläres Ereignis hatten. Das Risiko eines akuten Koronarsyndroms war um den Faktor 4,06 und das Sterberisiko um den Faktor 5,99 erhöht. 

Diese Zahlen unterstreichen nach Ansicht von Buchanan die Bedeutung der Thrombozytenaggregation als Auslöser von arteriellen thrombotischen Ereignissen. Die starke Verbreitung der Aspirinresistenz erklärt möglicherweise, warum die Gabe von ASS in vielen Interventionsstudien nicht die erhoffte Wirkung erzielte. Außerdem zeigen die Ergebnisse den Therapiebedürftigkeit der Patienten mit Aspirinresistenz an.

Wie Giuseppe Biondi-Zoccai von der Universität Turin im Editorial (BMJ 2008; doi: 10.1136/bmj.39430.529549.BE) ausführt, gibt es derzeit keine evidenzbasierte Strategie, wie Patienten mit Aspirinresistenz vor kardiovaskulären Ereignissen geschützt werden könnten. Zu den Vorschlägen gehört der Wechsel auf (oder die Kombination mit) anderen antithrombozytären Medikamenten wie Clopidogrel oder eine Erhöhung der ASS-Dosis.

Aufschluss könnte die laufende TREND-AR-Studie bringen, in der die Patienten mit dokumentierter Aspirinresistenz nach perkutaner koronarer Intervention zusätzlich zu Clopidogrel, ASS und Heparin mit Placebo oder Tirofiban behandelt werden. Sicherlich ist bei allen Patienten zu prüfen, ob nicht eine Non-Adhärenz zur Medikamenteneinnahme die Ursache einer (scheinbaren) Aspirinresistenz ist. © rme/aerztelatt.de

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