Medizin

Studie: Adipositas-Chirurgie heilt Typ-II-Diabetes mellitus

Donnerstag, 24. Januar 2008

Melbourne – Die Gewichtsabnahme nach Magenverkleinerung heilte in einer randomisierten kontrollierten Studie im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2008; 299: 316-323) drei von vier Erkrankungen vom Typ-II-Diabetes mellitus. Das Komplikationsrisiko beeinträchtigt die Patienten nach Ansicht der Autoren weniger als die durch die Diabetesmedikamente ausgelösten Nebenwirkungen.

Bariatrische Operationen sind bisher der letzte Versuch, den Fachgesellschaften nur bei Patienten mit morbider Adipositas (BMI 40 oder höher) als indiziert betrachten. Bei Menschen mit Typ-II-Diabetes mellitus wird der Eingriff ab einem BMI von 35 akzeptiert, da hier die Folgen des Übergewichts schwerwiegender sind als bei Nicht-Diabetikern. An der Studie von John Dixon von der Monash University in Melbourne nahmen 60 Patienten mit einem BMI zwischen 30 und 40 teil, bei denen der Typ-II-Diabetes mellitus nicht länger als zwei Jahre zurücklag.

Die Aussichten für eine erfolgreiche Therapie waren also gut, zumal die Operationen an einem (nach Einschätzung der Editorialisten) der weltweit führenden Zentren für bariatrische Operationen durchgeführt wurden. Dennoch sind die Ergebnisse beeindruckend. Von den 30 Patienten, die ein laparoskopisch appliziertes flexibles Magenband (LAGB) erhielten, wurden 22 Patienten (73 Prozent) von ihrer diabetischen Stoffwechsellage befreit. In der Kontrollgruppe, in der nur eine konventionelle Diätberatung angeboten wurde, schafften dies nur vier von 30 Patienten (13 Prozent).

Die Operation senkte den Nüchternblutzucker um 51 mg/dl (18,4 mg/dl in der Kontrollgruppe), der HbA1c-Wert ging um 1,81 auf 6,0 Prozent zurück (minus 1,38 auf 7,21 mg/dl in der Kontrollgruppe). Der Insulinspiegel ging um 12,4 µl/ml zurück (plus 1,0 µl/ml in der Kontrollgruppe). Auch die Parameter des metabolischen Syndroms besserten sich: Bauchumfang minus 18 cm; Blutdruck minus 6/0,7 mmHg, Triglyzeride minus 71,7 mg/dl. Und all dies “nur” wegen einer Gewichtsabnahme um 21,1 kg (minus 1,5 kg in der Kontrollgruppe).

Das bestätigt, wovon Diabetologen seit Langem ausgehen. Der Typ-II-Diabetes-mellitus ist die Folge von Übergewicht (und vielleicht Bewegungsmangel). Gene beeinflussen nur die Anfälligkeit einzelner Menschen, sind aber nicht die Krankheitsursache.

Die Operationen der australischen Chirurgen waren nahezu komplikationsfrei. Nur ein Patient hatte eine postoperative Wundheilungsstörung, bei zwei Patienten lockerte sich das Magenband, sodass eine chirurgische Revision notwendig war. Der Eingriff sei damit weniger gefährlich als die Nebenwirkungen der Medikamente, die Diabetiker einnehmen oder injizieren müssen, schreiben die Autoren.

Auch die Kosten-Nutzen-Bilanz dürfte bei etwa 20.000 Euro pro Eingriff positiv ausfallen. Die Chirurgen haben sich allerdings nicht die Mühe gemacht, die Lebensqualität der Patienten zu untersuchen. Frühere US-Studien haben gezeigt, dass viele Menschen auf Dauer nicht glücklich mit den Folgen der Operation sind: Das Suizidrisiko steigt. Außerdem ist nicht sicher, ob die Ergebnisse auf die Vielzahl der Patienten übertragbar sind, bei denen der Beginn des Typ-II-Diabetes-mellitus länger zurückliegt und der BMI höher ist.

In den USA haben viele Ärzte begonnen, den Eingriff als “metabolische Chirurgie” zu bewerben. Das US-National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases lässt die Folgen der Operation in der Longitudinal Assessment of Bariatric Surgery oder LABS-Studie untersuchen. © rme/aerzteblatt.de

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