Politik

Qualitätsinstitut stellt Methoden für die Kosten-Nutzen-Bewertung zur Diskussion

Donnerstag, 24. Januar 2008

Köln – Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat die Methoden vorgelegt, nach denen es in Zukunft die Kosten-Nutzen-Bewertung von Therapien vornehmen könnte. Diese Kosten-Nutzen-Bewertung ist eine neue Aufgabe des Instituts, die ihm die jüngste Gesundheitsreform zuweist. Kritik an der neuen Methodik kam vom Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI).

Gemäß der gesetzlichen Vorgabe, nicht nur den Nutzen, sondern auch dessen Verhältnis zu den Kosten nach international anerkannten wissenschaftlichen Standards zu ermitteln, hat das IQWiG eine Gruppe von Gesundheitsökonomen aus acht Ländern beauftragt. Sie sollten prüfen, welche Ansätze und Werkzeuge sich für die speziellen deutschen Gegebenheiten eignen. 

Wie die Experten feststellten, gibt es keinen Goldstandard für gesundheitsökonomische Bewertungen. Zudem seien Verfahren aus anderen Ländern in der Regel nicht auf Deutschland übertragbar, weil sich die jeweiligen Gesundheitssysteme stark unterschieden.

Nach Auffassung des internationalen Gremiums wird die „Analyse der Effizienzgrenze“ den Bedingungen in Deutschland am besten gerecht. Diese lasse sich flexibel zum Vergleich der Kosten-Nutzen-Relation einer beliebigen Zahl von Therapiealternativen nutzen. Das Konzept schließt als zweites Element der Bewertung eine „Budget-Impact-Analyse“ (Budget-Einfluss-Analyse) ein. Mit ihr lasse sich abschätzen, wie sich eine Entscheidung auf die Ausgaben im Gesundheitswesen insgesamt auswirken kann.

Einer Kosten-Nutzen-Bewertung ist laut IQWiG immer eine Bewertung des medizinischen Nutzens vorgeschaltet. So bleibe der Nutzen Fundament der ökonomischen Entscheidung. Zudem sei gewährleistet, dass nur die für die Patienten tatsächlich relevanten Nutzenaspekte in die Bewertung eingehen, zum Beispiel eine kürzere Krankheitsdauer oder verminderte Nebenwirkungen.

Nach dem Konzept wird jede Erkrankung wird für sich bewertet, das heißt es werden keine indikationsübergreifenden Vergleiche angestellt. Denn die Frage, ob Krebs „schlimmer“ sei und damit möglicherweise höhere Ausgaben rechtfertige als beispielsweise ein Schlaganfall, sei wissenschaftlich nicht zu beantworten. Die Antwort wäre immer durch subjektive Werturteile geprägt und könnte einzelne Patientengruppen benachteiligen.

Der jetzt präsentierte Vorschlag beschreibt laut IQWiG den Rahmen der Methodik; Detailfragen sollen erst vorgestellt und diskutiert werden, wenn über das Prinzip Einigkeit bestehe. „Weil es bei der Kosten-Nutzen- Bewertung nicht nur um rein wissenschaftliche, sondern auch um normative Fragen geht, brauchen wir einen gesellschaftlichen Konsens“, hieß es aus dem Qualitätsinstitut.    

Kritik am Konzept äußerte der BPI. Deren stellvertretende Hauptgeschäftsführerin, Barbara Sickmüller, bezeichnete das Konzept als „enttäuschend“. Es schaffe mehr Fragen als Antworten. Zudem basierten die Berechnungen des IQWiG auf der Grundlage historischer Preisentwicklungen. Weder die Definition des Nutzens noch die in die Berechungen einfließenden Kostenfaktoren würden durch das Modell des IQWiG eindeutig beschrieben. „Damit ist die Vorgehensweise des IQWiG weiterhin nicht vorhersehbar“, so Sickmüller. 

Auch eine tatsächliche Gewichtung von Nutzen im Verhältnis zum Preis eines Arzneimittels finde nicht statt. Dies bleibe dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen überlassen, der ebenfalls nicht über die erforderliche Legitimität für solche Wertentscheidungen verfüge. „Das IQWiG wird somit seiner Aufgabenstellung nicht gerecht“, befand der BPI. © EB/hil/aerzteblatt.de 

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