Medizin

Grippe 2008: Viren teilweise resistent gegen Tamiflu®

Dienstag, 29. Januar 2008

Stockholm – Die Viren der diesjährigen Grippewelle sind teilweise resistent gegen den Neuraminidasehemmer Oseltamivir (Tamiflu®). Dies geht aus einer ersten vorläufigen Risikoabschätzung des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) hervor. Aus bisher unbekannten Gründen sind die resistenten Viren vor allem in Norwegen aufgetreten.

Das European Surveillance Network for Vigilance against Viral Resistance (Virgil) führt im Auftrag der Europäischen Union seit der Grippesaison 2004/5 Resistenzprüfungen bei Influenzaviren durch. In den letzten Jahren war die Empfindlichkeit der Grippeerreger gegen Oseltamivir oder andere Virustatika nur in wenigen Ausnahmefällen vermindert.

Dies scheint in diesem Jahr anders zu sein, soweit dies auf der Basis von bisher 148 untersuchten Isolaten beurteilt werden kann. Darunter waren 16 Isolate aus Norwegen, von denen zwölf die Mutation H274Y hatten. Sie vermittelt eine labormedizinische Resistenz gegen Oseltamivir. Weitere oseltamivirresistente Influenzaviren wurden in Frankreich (vier von 19 Isolaten), Großbritannien (zwei von 75 Isolaten) und Dänemark (1 von 10 Isolaten) gefunden. Alle vier aus Deutschland (und 3 aus Österreich) eingesandten Isolate waren empfindlich.

Für die hohe Rate der Resistenzen in Norwegen gibt es derzeit keine Erklärung. Aber auch ohne diese Isolate könnten fünf Prozent aller Viren der diesjährigen Grippewelle resistent gegen Oseltamivir sein. Die ECDC betont zwar, dass es sich bei der Resistenz um einen relativen Begriff handelt. Er schließe nicht aus, dass Tamiflu® im klinischen Notfall nicht doch wirke. Dennoch wird den Ärzten geraten, zunächst die anderen Mittel wie Zanamivir, wie Oseltamivir ein Neuraminidasehemmer, oder die älteren Medikamente Amantadin oder Rimantadin zu verwenden, gegen die bislang alle Isolate empfindlich waren.

Laut ECDC gibt es keinen Hinweis, dass Grippeerkrankungen mit den resistenten Viren einen besonders schweren Verlauf nehmen. Die Behörde rechnet ohnehin mit einer eher milden Grippewelle. Die Viren werden außerdem vom diesjährigen Impfstoff erfasst. Es fehlt aber nicht der Hinweis, dass jede Influenza A für ältere oder gebrechliche Menschen lebensgefährlich verlaufen kann. © rme/aerzteblatt.de

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