Medizin

Gicht durch Fruchtsäfte

Freitag, 1. Februar 2008

Vancouver – Der häufige Konsum von fructosehaltigen Fruchtsaftgetränken war in der Health Professionals Follow-Up Study mit häufigeren Gicht-Erkrankungen assoziiert. Die Ergebnisse der prospektiven Kohortenstudie im BMJ (2008; doi:10.1136/bmj.39449.819271.BE) könnten erklären, warum die Hyperurikämie in den letzten Jahrzehnten wieder häufiger geworden ist.

Für die meisten Menschen ist die Gicht ein Sinnbild für Völlerei und Maßlosigkeit früherer Zeiten, die – trotz der derzeitigen Adipositas-Epidemie – überwunden zu sein scheint. Tatsache ist jedoch, dass die der Gicht zugrunde liegende Hyperurikämie in den letzten Jahrzehnten wieder häufiger geworden ist. In den USA soll sich die Prävalenz sogar verdoppelt haben. Dies fällt mit einem Anstieg im Konsum von Süßgetränken zusammen, auf die – wiederum nach Angaben aus den USA – auch bei Erwachsenen ein bedeutender Anteil der täglichen Kalorienzufuhr entfällt.

Weniger bekannt ist, dass Süßgetränke immer häufiger mit einem mit Fructose angereicherten Sirup aus Maisstärke (high-fructose corn syrup, HFCS) gesüßt werden. HFCS wurde 1967 eingeführt und hat eine gegenüber Tafelzucker höhere Süßkraft. Er lässt sich leichter und billiger als Tafelzucker transportieren, weshalb fructosehaltige Süßgetränke wettbewerbsfähiger sind.

Fructose steigert aber den Purinspiegel infolge eines starken Verbrauchs des Energieträgers ATP, der dann – stark vereinfacht ausgedrückt – für den Purinabbau fehlt). Wenige Minuten nach dem Trinken eines mit Fructose gesüßten Getränks, aber auch nach dem Verzehr von süßem Obst, steigt die Harnsäurekonzentration im Blut und später auch im Urin.

Diese Zusammenhänge liefern eine Erklärung für die Befunde von Hyon Choi vom Arthritis Research Centre of Canada in Vancouver und Mitarbeitern. Die Forscher haben die Daten der Health Professionals Follow-Up Study ausgewertet, die seit 1986 Männer aus nicht humanmedizinischen Berufen regelmäßig nach ihrem Lebensstil und ihrer Gesundheit befragt. Unter den 46.393 über 40-jährigen Männern ohne Gichterkrankung in der Vorgeschichte kam es in den ersten 12 Jahren bei 755 Teilnehmern zu einer Gicht nach den Kriterien der American College of Rheumatology.

Auffallend viele hatten in den Fragebögen einen erhöhten Konsum von Süßgetränken angegeben. Nach den Berechnungen von Choi steigert bereits ein Süßgetränk am Tag das Gichtrisiko um 45 Prozent (Relatives Risiko 1,45; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,02-2,08). Bei zwei Süßgetränken pro Tag, keine Seltenheit für Erwachsenen in Nordamerika, steigt es um 85 Prozent (Relatives Risiko 1,85; 1,08-3,16). Bei Diätgetränken war das Risiko nicht erhöht.

Der häufige Verzehr von Obst, der ja von Ernährungswissenschaftlern gefordert wird, erhöhte ebenfalls das Gichtrisiko, sodass frisch gepresste Obstsäfte in dieser Hinsicht nicht unbedingt eine Alternative zu Süßgetränken sind, auch wenn die Autoren diesen Befund relativieren: Die Vorteile einer an Obst reichen Kost zur Prävention von anderen Erkrankungen würde die Nachteile sicher überwiegen, schreiben sie. © rme/aerzteblatt.de

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