Politik

Krankenhausgesellschaft: „2008 Katastrophenjahr für Kliniken“

Donnerstag, 7. Februar 2008

Berlin – „Existenzvernichtende Züge für die deutschen Krankenhäuser“ trägt das Jahr 2008 nach Auffassung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). „Die drohenden massiven Tarifsteigerungen, explodierende Energie- und Sachkosten sowie die Sanierungsabgabe reißen  allein in 2008 ein neues Loch der Unterfinanzierung in Höhe von bis zu 2,2 Milliarden Euro“, sagte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum. Er stellte in Berlin ein Gutachten des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) und der internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO Deutsche Warentreuhand zur wirtschaftlichen Situation der Krankenhäuser vor.

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Das in dem Gutachten bezifferte Defizit entspreche dem Finanzbedarf für 40.000 Klinikärzte oder 66.000 Pflegekräfte. „Nachdem bereits das Jahr 2007 mit einem Milliardendefizit für die Krankenhäuser zu Ende ging, baut sich für viele Einrichtungen eine fast ausweglose Situation auf“, sagte Baum. Diese habe gravierende Auswirkungen auf die Patientenversorgung: Die versteckte Rationierung entwickele sich zunehmend hin zur offenen Rationierung von Gesundheitsleistungen. 

Bundesärztekammer-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe betonte in Berlin, die Studie zeige, dass die flächendeckende Versorgung mit stationären Leistungen massiv gefährdet sei. Er forderte, die Budgetierung im Krankenhausbereich abzuschaffen: „Die Krankenhäuser bluten aus, wenn jetzt nicht endlich die Patientenversorgung zum Maß der Dinge gemacht wird.“

Nach Hoppes Ansicht behindert die Budgetierung auch die Entwicklungsmöglichkeiten des Ärztenachwuchses. „Dieses System der diktierten Preise darf nicht diktierte Gehälter zur Folge haben“, so der Ärztepräsident. „Wenn in den kommenden fünf Jahren 10.000 Stellen neu zu besetzen sind, müssen auch die ökonomischen Rahmenbedingungen neu definiert werden. Die derzeitige Unterfinanzierung im Krankenhausbereich schreckt die jungen Ärzte ab und treibt sie ins Ausland.“ 

Die DKG wiederum forderte, dass die Kliniken wie andere Wirtschaftszweige Kostensteigerungen in ihre Vergütungen weiter geben können. Dies sei angesichts einer gesetzlich begrenzten Preiserhöhung von aktuell 0,64 Prozent nicht möglich. Nur ein umgehendes Nothilfeprogramm und die Weitergabe von Tarifsteigerungen könnten den Kollaps im stationären Sektor noch aufhalten.

Für ein Sofortprogramm zur Stabilisierung der wirtschaftlichen Situation der Krankenhäuser hat sich auch die Klinikärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) ausgesprochen. Dieses Programm müsse „die Deckelung der Budgets beenden, eine realistische Refinanzierung der Aufgaben orientiert an den tatsächlichen Kosten der Krankenhausleistungen einschließlich der Tarifentwicklung ermöglichen und eine sofortige Rücknahme der Sanierungsabgabe an die Krankenkassen beinhalten.“ Das forderte der MB-Vorsitzende Rudolf Henke. 

Gleichwohl kritisierte die Gewerkschaft einzelne Annahmen der Gutachter. Ein Arbeitgeberangebot für kommunale Klinikärztinnen und –ärzte liege noch gar nicht vor. Darüber hinaus werde vorausgesetzt, dass der anstehende Tarifabschluss im kommunalen Bereich so von allen anderen Klinikträgern übernommen werde. Henke verwies aber darauf, dass in Universitätskliniken bereits Gehälter gezahlt würden, die der MB für Klinikärzte in kommunalen Häusern nun erst fordere. Er stellte zudem klar, dass sich die bisherigen Einkommenserhöhungen für Ärzte durchschnittlich zwischen einem und vier Prozent bewegt hätten. © hil/Rie/aerzteblatt.de

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