Politik

Kontroverse um Stammzellgesetz hält an

Dienstag, 12. Februar 2008

Berlin - Zwei Tage vor der Bundestagsdebatte über eine Novellierung des Stammzellgesetzes hält die öffentliche Kontroverse an. Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) bekräftigte am Dienstag ihre Forderung nach einer Verschiebung des Stichtags. Dies sei für die Entwicklung von Alternativen zur embryonalen Stammzellforschung nötig, sagte Schavan in Berlin. Der Braunschweiger evangelisch-lutherische Bischof Friedrich Weber warnte hingegen vor einer „weiteren Demontage des Stammzellengesetzes auch durch eine Verschiebung der Stichtagsregelung.

Nach der bestehenden Regelung dürfen Forscher in Deutschland nur Stammzellen verwenden, die vor 2002 im Ausland entstanden. Dadurch will der Gesetzgeber verhindern, dass ein Anreiz zur Herstellung oder Vernichtung weiterer Embryonen geschaffen wird.

Schavan vertrat die Ansicht, dass eine einmalige Stichtagsverschiebung der Logik und Substanz dieser Regelung nicht widerspreche. Es gehe nicht um eine Aufhebung oder Liberalisierung, sondern um eine Weiterentwicklung. Für die Erforschung von Alternativen durch eine Reprogrammierung adulter Stammzellen brauche es saubere embryonale Stammzelllinien. Die vorhandenen seien verunreinigt, sagte Schavan unter Hinweis auf Forderungen aus der Wissenschaft.

Am Donnerstag will sich der Bundestag erstmals mit vier konkurrierenden Gesetzentwürfen befassen. Sie reichen von einer breiten oder begrenzten Liberalisierung über eine Beibehaltung des jetzigen Gesetzes aus dem Jahr 2002 bis zu dessen Abschaffung. Ein Termin für eine abschließende Beratung steht nach Angaben des Parlamentarischen Geschäftsführers der Unionsfraktion, Norbert Röttgen (CDU), noch nicht fest. Dazu seien zunächst die Ergebnisse der Anhörung abzuwarten.

Auf der Linie der katholischen Bischöfe betonte Friedrich, ein menschlicher Embryo sei bereits menschliches Leben und habe eine Würde, die „unantastbar und unverfügbar“ sei. Auf der Seite der Online-Kampagne www.deinestammzellenheilen.de äußerte er die Überzeugung, dass die aktuelle Debatte offensichtlich die in Artikel 1 des Grundgesetzes festgeschriebene Menschenwürde vom Lebensschutz des Artikels 2 trennen wolle. Dagegen sollten sich die Kirchen wehren.

Friedrich steht damit im Widerspruch zum Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber. Huber unterstützt Schavans Linie. © kna/aerzteblatt.de

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