Politik

DÄ-Interview: Huber fordert hohe Ethikstandards für Stammzellforschung

Dienstag, 12. Februar 2008

Köln - Die Forschung mit adulten Stammzellen sollte so schnell wie möglich die allein bestimmende Richtung im Bereich der Stammzellforschung werden, fordert der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche (EKD) in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, im Interview mit dem Deutschen Ärzteblatt (DÄ Heft 7/2008). „Ich gehe auch nicht davon aus, dass Forschungen mit embryonalen Stammzellen Träger von konkreten Heilungschancen sein würden“, sagte der EKD-Ratsvorsitzende. 

Huber, der für seine Zustimmung für eine einmalige Verschiebung des Stichtages in die Kritik geraten war, hält es aus „christlicher Perspektive“ lediglich für gerechtfertigt, aus überzähligen Embryonen Stammzellen für hochrangige Forschungszwecke zu entwickeln. Er respektiere die Meinung derjenigen, die auch das für ethisch ausgeschlossen halten. Aber sie müssten zugeben, dass sie das Absterben der über lange Zeit kryokonservierten Embryonen für die ethisch einzig angemessene Antwort auf diese Situation halten. Die Gefahr, dass es nicht bei einer einmaligen Verschiebung des Stichtages bleibt, könne man zwar nicht von der Hand weisen. Von einem Automatismus zu reden, hält er aber für abwegig.

Huber erklärte außerdem, dass er bestimmten Entwicklungen bei einer gesetzlichen Regelung von Patientenverfügungen skeptisch gegenübersteht. So befürchtet er, dass eine gesetzliche Regelung die Patientenverfügung in einigen Bereichen zu einer generellen Pflicht werden lässt. Das hänge mit der in Deutschland verbreiteten Neigung zu einer Fixierung auf das gesetzlich Geregelte zusammen. „Bereits jetzt wird oftmals in Pflegeheimen bei der Aufnahme regelmäßig nach einer Patientenverfügung gefragt.“ Es dürfe jedoch nicht der Eindruck entstehen, das Vorliegen einer Patientenverfügung sei die Voraussetzung für die Aufnahme. Denn zur Freiheit eines Menschen gehöre es auch, keine Patientenverfügung zu haben.

Huber befürchtet außerdem, dass eine gesetzliche Regelung das Gleichgewicht von Selbstbestimmung und Fürsorge für das Leben ins Wanken bringen könnte. Der EKD-Ratsvorsitzende spricht sich für eine Förderung der Palliativmedizin und eine breitere Einführung von ambulanten und stationären Hospizdiensten aus.

Zu der Forderung des Diakonischen Werks, die Pflege von Angehörigen in Form von Freistellungstagen zu unterstützen, sagte Huber: Die Pflege der Eltern für Christen sei nahe liegend, denn das vierte Gebot, die Eltern zu achten, beziehe sich auf diese Situation. Man müsse jedoch Lösungen finden, die sowohl für die Arbeitgeber als auch für die Solidargemeinschaft finanzierbar seien. © Kli/aerzteblatt.de

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