Politik

Vor der Debatte: Die Zukunft des Stammzellgesetzes

Mittwoch, 13. Februar 2008

Berlin – Begleitet von einer breiten öffentlichen Kontroverse debattiert der Bundestag an diesem Donnerstag eine Ausweitung der Forschung an embryonalen Stammzellen in Deutschland. Dem Parlament liegen vier Gesetzentwürfe oder Anträge vor. Sie reichen von einer breiten oder begrenzten Liberalisierung über eine Beibehaltung des jetzigen Gesetzes aus dem Jahr 2002 bis zu dessen Abschaffung. Voraussichtlich 33 Abgeordnete sollen zu Wort kommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte an, der Debatte auf der Regierungsbank folgen zu wollen.

Nach dem Stammzellgesetz dürfen Forscher in Deutschland nur Stammzellen verwenden, die vor 2002 im Ausland entstanden. Dadurch will der Gesetzgeber die Herstellung oder Vernichtung von Embryonen eindämmen. Die Debatte konzentriert sich auf den sogenannten Stichtag 1. Januar 2002, der den Wissenschaftlern eine Nutzung neuerer und qualitativ höherwertiger Stammzellen unmöglich mache.

Bislang legten sich 440 von 613 Abgeordneten als Unterstützer eines Gesetzentwurfs fest. Davon plädiert die weit überwiegende Zahl für eine einmalige Verschiebung des Stichtages (184 Abgeordnete) oder für dessen völlige Streichung (92 Abgeordnete). Den Fortbestand des Gesetzes in der jetzigen Form favorisieren 129 Parlamentarier. 35 Abgeordnete wollen das Stammzellgesetz komplett aufheben und befürworten eine Konzentration der deutschen Wissenschaftler auf ethisch unbedenklichere Forschungswege.

Bei der teils heftigen Debatte über das Thema geht es um die Frage einer Abwägung von Lebensschutz und Forschungsfreiheit. Zudem wird unter dem Begriff „Ethik des Heilens“ häufig dafür plädiert, dass es angesichts mutmaßlicher therapeutischer Perspektiven eine Verpflichtung dazu gebe, Embryonen zu nutzen.

Die katholische Kirche in Deutschland lehnt eine Ausweitung der Forschung an embryonalen Stammzellen strikt ab und warnt vor einer Einschränkung der Menschenwürde des Embryos. Entsprechend äußerten sich in den vergangenen Wochen viele Bischöfe. 

Das stößt auf Widerspruch der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und weiterer Wissenschaftsorganisationen. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, favorisiert eine einmalige Verschiebung des Stichtags; eine Reihe evangelischer Bischöfe widerspricht ihm. Politiker verweisen in der Debatte immer wieder darauf, dass selbst die Kirchen bei der Thematik gespalten seien. © kna/aerzteblatt.de

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