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Forensische Palynologie: Pollen führten zu den Fälschern von Malariamedikamenten

Mittwoch, 13. Februar 2008

Oxford Im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation und Interpol versuchen Wissenschaftler und Kriminalisten im Rahmen des Projekts Jupiter den Fälschern von Medikamenten auf die Spur zu kommen. Zu ihren effektivsten forensischen Hilflsmitteln gehört einer Studie in PLoS Medicine (2008; 5: e32) zufolge die Palynologie, die Analyse von Pollen, die als Verunreinigung in den Tabletten auftreten.

Medikamentenfälschungen in Südostasien haben ein erschreckendes Ausmaß angenommen. Betroffen sind häufig Malariamedikamente mit dem Wirkstoff Artesunat, ein halbsynthetisches Arzneimittel, dessen Ausgangsmaterial aus  Artemisia annua, dem Einjährigen Beifuß gewonnen wird. Diese Pflanze wächst überwiegend in China.

Von den 391 Artesunat-Tabletten aus Südostasien, welche die Gruppe um Paul Newton von der Universität Oxford untersuchte, war jede zweite gefälscht. Die meisten Tabletten enthielten gar keinen Wirkstoff. Bei anderen war die Dosis zu niedrig. Die Fälscher wollten damit die Kontrolleure täuschen, könnten jedoch ungewollt die Resistenz gegen das Malariamedikament fördern, befürchten die Experten. Suboptimale Wirkstoffspiegel fördern nämlich die Selektion resistenter Erreger.

Andere Tabletten enthielten eine Reihe anderer Medikamente, darunter inzwischen verbotene Mittel wie das Analgetikum Metamizol oder den Duftstoff Safrol, das ein Karzinogen ist. Auch Benzol, ebenfalls krebserregend, wurde nachgewiesen, ebenso ein Ausgangsstoff für Methylenedioxymethamphetamin, besser bekannt als Ecstasy. Dies weist zwar auf das kriminelle Umfeld der Fälscher hin, liefert aber keine Hinweise auf die Produktionsstätte im weitläufigen Land der Mitte. 

Auf die richtige Spur brachte das internationale Forscherteam schließlich die Pollenanalyse. Die gefälschten Tabletten waren nämlich nicht in der sterilen Umgebung eines modernen Pharmaunternehmens gefertigt worden, sondern in illegalen Laboratorien, welche die Täter über geöffnete Fenster lüfteten. Mit der frischen Außenluft gelangten aber auch Pollen in die Fertigungsanlagen. Pro Tabletten fanden die Wissenschaftler 30 bis 40 Pollen und zwar von unterschiedlichen Pflanzen. Da einige Pflanzen auf bestimmte Regionen beschränkt sind, ergibt sich daraus eine geografische Signatur. Sie half der chinesischen Polizei, den Produktionsort auf den Süden des Landes einzugrenzen.

Vor zwei Jahren wurde dann ein Mann aus der Provinz Yunnan (im Südwesten der Volksrepublik China) festgenommen. Mit ihm wurden 240.000 Packungen Artesunat sichergestellt. Das entspricht etwa der Menge, welche Guilin Pharma, der Hersteller des ungefälschten Malaria-Medikaments, während des gleichen Zeitraums, aus dem die Fälschungen stammen, nach Burma und Thailand ausgeliefert hatte. Es ist deshalb möglich, dass die Polizei dem wichtigsten Fälscherring auf die Spur gekommen ist. Das eigentliche Ziel, die Produktionsstätten und die Hintermänner, haben sie allerdings noch nicht entdeckt. rme/aerzteblatt.de 

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