Medizin

Adulte Stammzellen ohne Krebsrisiko?

Freitag, 15. Februar 2008

Kyoto – Während in Deutschland eine emotionale Debatte über ethische Fragen bei der Verwendung embryonaler Stammzellen geführt wird, arbeiten japanische Forscher daran, diese Debatte gegenstandslos zu machen. In Science (2008; doi: 10.1126/science.1154884) stellt die Gruppe um Shinya Yamanaka von der Universität Kyoto ihren jüngsten Teilerfolg vor. 

Konkret geht es um die Schaffung von induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS). Diese Zellen werden nicht aus Embryonen gewonnen, was viele Menschen aus ethisch-religiösen Motiven heraus ablehnen, sondern von Zellen des erwachsenen Menschen, was kaum zu kritisieren ist, da die Stammzellen den gleichen Menschen zugute kommen sollen. Diese Zellen haben während ihrer Entwicklung die Fähigkeit zur Bildung anderer Gewebe, ihre Pluripotenz, verloren.

Yamanaka und einer anderen Gruppe aus den USA war es im letzten Jahr gelungen, die Entwicklung dieser Zellen gewissermaßen zurückzudrehen (Reprogrammierung). Dazu wurden vier Gene in die Zellen eingeschleust. Dies gelang mithilfe von Retroviren, die auch mit Genen bestückt waren, welche eine Expression der vier Gene sicherstellen sollten. Sonst wäre die Verwandlung in iPS kaum gelungen.

Allerdings lässt sich nicht steuern, an welcher Stelle sich die Retroviren im Genom integrieren. Geschieht dies an einer falschen Stelle, kann es leicht zur Förderung des Krebswachstums kommen. Dies mussten auch die Forscher feststellen, die Viren als Transportvehikel für die Gentherapie einer Immunschwäche von Kindern benutzen.

Um diesem Risiko zu entgehen, wich Yamanaka auf andere Zellen aus. Statt Fibroblasten zu nehmen, wählte er Epithelzellen (Hepatozyten und Zellen aus der Magenschleimhaut). Dies verschlechterte zunächst einmal die Ausbeute der Experimente. Die Zahl der erfolgreich reprogrammierten Epithelzellen war gering. Es sank aber auch die Zahl der Stellen, an denen sich die Retroviren im Genom der einzelnen Epithelzellen festsetzten und schließlich war auch der Einfluss des Onkogens “myc” geringer.

Eine mögliche Erklärung könnte in der größeren Ähnlichkeit von embryonalen Stammzellen zu Epithelzellen, als zu Fibroblasten bestehen. Es gelang den Forschern schließlich genügend iPS herzustellen, um ihre Auswirkung auf das Krebswachstum zu untersuchen. Dazu wurden die iPS in Mäuse-Embryonen im Frühstadium der Blastozysten injiziert. Dadurch entstanden Chimäre, also Tiere, deren Zellen teilweise von den iPS abstammen. Keines der 65 chimären Tiere mit iPS aus den Epithelzellen erkrankte an Krebs, während dies bei 30 Prozent der chimären Tiere der Fall war, die iPS aus Fibroblasten erhalten hatten. 

Ob damit tatsächlich ein weiterer Durchbruch in der Stammzelltherapie erzielt wurde, bleibt abzuwarten. Insgesamt befindet sich die Forschung noch in einem sehr frühen Stadium und eine klinische Anwendung scheint noch in einiger Ferne zu liegen. Gleichzeitig ist das Forschungsgebiet – nicht zuletzt infolge des starken Medieninteresses – in hohem Maße „kompetetiv“, was eine Überbewertung der eigenen Ergebnisse durch die Forscher nicht ausschließt. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige