Ärzteschaft

Nervenärzte, Neurologen und Psychiater fordern mehr Geld

Donnerstag, 21. Februar 2008

Berlin – „Nervenärzte, Neurologen und Psychiater haben die höchsten Fallzahlsteigerungen aller Arztgruppen, ohne dass sich dies in ihren Honoraren niederschlagen würde.“ Das sagte der Vorsitzende des Vorstands der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, bei der Vorstellung des Gutachtens „Strukturen und Finanzierung der neurologischen und psychiatrischen Versorgung“ des Instituts für Gesundheit und Sozialforschung (IGES).

In Auftrag gegeben hatten das Gutachten der Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN), der Berufsverbandes Deutscher Neurologen (BDN) und der Berufsverband Deutscher Psychiater (BVDP). Am Donnerstag stellten die Verbände es zusammen mit der KBV in Berlin vor.

Um eine gute Versorgung zu erhalten beziehungsweise wiederaufzubauen, bedürfe es dringend einer angemessenen finanziellen Ausstattung für diese Facharztgruppen, so Köhler. Dazu benötige die Fachgruppe bei einem Punktwert von 5,11 Cent ungefähr 375 Millionen Euro zusätzlich im Jahr.

"Politiker und Krankenkassen unterschätzen noch immer die Bedeutung von neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen für unser Gesundheitswesen und die Volkswirtschaft“, sagte der Vorsitzende des BVDN, Dr. Frank Bergmann. Er verwies auf drei Punkte aus dem Gutachten:

• Die Krankenhausfälle wegen psychischer und verhaltensbezogener Erkrankungen, zum Beispiel Angsterkrankungen, haben von 1994 bis 2005 um 36 Prozent zugenommen. Die Gesamtzahl aller Krankenhausfälle hat sich in der gleichen Zeit nur um elf Prozent erhöht.

• Die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage wegen neuro-psychiatrischer Erkrankungen hat zwischen 1997 und 2006 laut dem IGES-Gutachten um 64 Prozent zugenommen. Im Unterschied hierzu lag die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage 2006 für alle Erkrankungen auf dem gleichen Niveau wie 1997.

• Die Arbeitsunfähigkeit aufgrund neuro-psychiatrischer Erkrankungen verursacht steigende volkswirtschaftliche Kosten in Deutschland. Der Ausfall an Bruttowertschöpfung aufgrund dieser Erkrankungen entsprach 2006 rund sieben Milliarden Euro und damit etwas 10,5 Prozent des geschätzten Gesamtausfalls an Bruttowertschöpfung infolge von Arbeitsunfähigkeit. Im Jahr 2000 war dieser Anteil mit rund 5,3 Prozent nur etwa halb so groß.

„Nahezu verdoppelt haben sich die Fallzahlen in der neuropsychiatrischen Versorgung zwischen 1994 und 2004“. Darauf wies der Vorsitzende des BDN, Dr. Uwe Meier, hin. Ein Neurologe behandelte 2004 durchschnittlich 3.570 Fälle, ein Nervenarzt 3.170 Fälle. Das sind in beiden Arztgruppen rund 1.000 Fälle mehr als zehn Jahre zuvor.

Trotz des steigenden Betreuungsbedarfes stehen nur geringfügig mehr Ärzte bereit, um die Patienten zu versorgen. Das sagte die Vorsitzende des BVDP, Dr. Christa Roth-Sackenheim. Zwischen 1994 und 2005 standen für alle neurologischen und psychiatrischen Patienten ohne die Kinder- und Jugendpsychiater nur 240 niedergelassene Ärzte mehr zur Verfügung. Nötig gewesen seien aber rund 4.000 zusätzliche Ärzte, um das Niveau der Versorgung zu halten.

Obwohl die nervenärztlichen, neurologischen und psychiatrischen Praxen seit Jahren immer mehr Fälle betreuen, ist ihr Honorar ständig gesunken. Darauf wies der stellvertretende BVDN-Vorsitzende Dr. Gunther Carl hin. „Das Honorar pro Patient beträgt derzeit rund 40 Euro je Quartal und ist damit so stark zurückgegangen, dass die Praxen unter dem Strich weniger Geld als 1994 erhalten, obwohl sie immer mehr Fälle betreuen“, sagte er. © EB/aerzteblatt.de

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