Ausland

Liese: „EU-Kommission verharmlost Organhandel“

Mittwoch, 27. Februar 2008

Brüssel – Der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese hat der EU-Kommission eine Verharmlosung des Organhandels vorgeworfen. Auch die europäische Polizeibehörde schätze den Organhandel innerhalb der EU als nicht vorhanden ein, kritisierte Liese am Mittwoch in Brüssel. Dagegen gebe es glaubwürdige Berichte etwa zu Rumänien, der Tschechischen Republik, Estland und Italien über Handel mit illegal gespendeten Organen. Liese rief dazu auf, dem Problem stärker auf den Grund zu gehen.

Das Europaparlament will nach Lieses Worten in einer im April im Plenum auf der Tagesordnung stehenden Entschließung auch den Organspende-Tourismus verurteilen. Die Entnahme von Organen etwa in Entwicklungsländern für Patienten aus Europa verstoße gegen die EU-Grundrechtecharta. Darin wird ausgeschlossen, den menschlichen Körper oder seine Teile für kommerzielle Zwecke zu nutzen. Kritisch äußerte sich der CDU-Europaabgeordnete zu Lebendspenden. Dabei bestehe immer die Gefahr, dass Geld fließe.

Die Europaabgeordneten unterstützen nach Lieses Worten zugleich Pläne der EU-Kommission für gemeinsame Mindeststandards für legale Organspenden in der EU. Der Bioethik-Experte warnte dabei davor, zu strenge Richtlinien vorzuschreiben. Ein hoher Standard sei zwar nötig, doch dürften Krankenhäuser nicht durch übertriebenen bürokratischen Aufwand belastet werden.

Liese rief zu Maßnahmen auf, die Bereitschaft zur Organspende zu vergrößern. Die Zahl der verfügbaren Spenderorgane pro eine Million Einwohner liege je nach EU-Staat zwischen 0,8 in Osteuropa und 35,1 in Spanien. Deutschland liege im Mittelfeld. Dabei spiele weniger eine Rolle, ob die EU-Staaten eine Zustimmungs- oder eine Widerspruchslösung für Organspender hätten.

Entscheidender sei die Organisation der Krankenhäuser, so Liese. Die höchsten Organspende-Ziffern gebe es in Staaten wie Spanien und Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern, die über Transplantationsbeauftragte in den Krankenhäusern verfügten. Er rief dazu auf, die Einrichtung solcher Stellen in den Kliniken durch EU-Mittel zu fördern. © kna/aerzteblatt.de

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