7.841 News Medizin

Medizin

Protektive Antikörper? Glutenfreie Veganer-Diät lindert rheumatoide Arthritis

Dienstag, 18. März 2008

Stockholm – Eine extremer Vegetarismus, der auf jegliche tierische Produkte (Veganer) und auch auf glutenhaltiges Getreide verzichtet, hat in einer randomisierten Studie in Arthritis Research & Therapy (2008, 10: R34) die Symptome von Patienten mit rheumatoider Arthritis gelindert, was die Autoren auf die Induktion von natürlichen protektiven Antikörpern zurückführen.

“CVDIMMUNE” ist ein von der EU finanziertes Forschungsprojekt, in dem Wissenschaftler aus Schweden, den Niederlanden, Großbritannien und Deutschland (Universität Mainz) untersuchen, ob Antikörper gegen Phosphorylcholine das Fortschreiten der Atherosklerose bremsen können. Phosphorylcholine werden von einer Reihe von Bakterien exprimiert, die als mögliche Ursache einer chronischen Entzündungsreaktion im Gespräch sind, die als Beginn der Atherosklerose angesehen wird. Leiter des Projekts ist der Rheumatologe Johan Frostegard vom Karolinska Institut in Stockholm, was die Wahl der Patienten für die aktuelle Studie erklären dürfte. 

Patienten mit rheumatoider Arthritis leiden nämlich nicht nur unter entzündlichen Gelenkerkrankungen. Sie haben auch ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko, was vor allem auf eine Störung des Fettstoffwechsels (Dyslipidämie) zurückgeführt wird. Von einer veganischen Diät, die auf tierische Fette verzichtet, kann hier eine Wirkung erwartet werden.

Die Teilnehmer im Interventionsarm der Studie, 38 Patienten mit aktiver Erkrankung seit zwei bis zehn Jahren, verzichteten nicht nur auf jegliche tierischen Erzeugnisse. Sie aßen auch keine glutenhaltigen Getreideprodukte mehr. Frostegard glaubt, dass dadurch die Exposition der Patienten mit Antigenen aus der Nahrung vermindert werden kann, was mit einem Anstieg von protektiven Antikörpern gegen Phosphorylcholine einhergehen soll. 

Eine glutenfreie Veganer-Diät ist anspruchsvoll. Die Nahrung, welche die 38 Probanden zu sich nahmen, bestand im Wesentlichen aus Nüssen, Sonnenblumenkernen, Obst und Gemüse, Hirse und Mais. Die Kalorien wurden zu zehn Prozent als Eiweiß, zu 60 Prozent als Kohlenhydrate und zu 30 Prozent als Fette aufgenommen. Sesammilch sicherte die tägliche Kalziumzufuhr. Von den 38 Teilnehmern hielten 30 die Diät drei Monate durch, weitere acht sprangen vor dem Ende der Studie nach einem Jahr ab. In der Vergleichsgruppe hielten alle 28 Probanden sich an die empfohlene ausgewogene Kost.

Der extreme Vegetarismus blieb nicht ohne Wirkung. Die glutenfreien Veganer nahmen vier Kilogramm ab, während die Teilnehmer in der Kontrollgruppe ihr Gewicht hielten. Auch die Lipidparameter besserten sich. Besonders stark nahm das LDL-Cholesterin ab (von 3,2 auf 1,3 mmol/l nach 3 Monaten, nach 12 Monaten waren es wieder 2,4 mmol/l). Auch ein positiver Einfluss auf die Rheumasymptome war nachweisbar. Der Symptomscore DAS28 ging von 5,3 auf 4,3 nach 12 Monaten zurück. Auch der erhoffte Anstieg der Anti-Phosphorylcholin-Antikörper trat ein. Ob er der Grund für die Linderung der Rheumabeschwerden war, muss offen bleiben, auch wenn Frostegard davon überzeugt ist.

Dass eine Diät die Krankheitsaktivität der rheumatoiden Arthritis beeinflussen kann, ist nicht neu. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass auch Fischmahlzeiten positive Auswirkungen haben, während eine obst- und gemüsearme und fleischlastige Kost eher ungünstig ist. Der Einfluss der Ernährung bleibt im Ausmaß jedoch gering und die Zahl der Patienten, die eine entbehrungsreiche glutenfreie Veganer-Diät auf sich zu nehmen bereit wären, dürfte nicht allzu hoch sein. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Drucken Versenden Teilen
7.841 News Medizin

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in