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Osteoporose: Positive Langzeiterfahrungen mit Vertebroplastie

Mittwoch, 19. März 2008

Turin – Italienische Radiologen haben auf einer Fachtagung günstige Langzeitergebnisse zur perkutanen Vertebroplastie (PV) von osteoporotischen Kompressionsfrakturen vorgestellt. Die ambulant durchführbare Therapie führt in der Regel zu einer raschen Symptomlinderung. Bei jedem neunten Patienten kam es allerdings in den ersten fünf Jahren nach der Therapie zu Frakturen in benachbarten Wirbeln.

Bei der perkutanen Vertebroplastie, die seit einigen Jahren auch in Deutschland Radiologen anbieten, wird bei Röntgenkontrolle und unter Lokalanästhesie Knochenzement in Wirbelkörper gespritzt. Es handelt sich um Polymethylmethacrylat (PMMA), ein in den 1930-er Jahren entwickelter Kunststoff, der unter dem Handelsnamen Plexiglas® bekannt ist.

Die Behandlung kommt bei Patienten mit schmerzhaften osteoporotischen Wirbelfrakturen infrage. Der rasch aushärtende Kunststoff stabilisiert den Wirbelkörper, kann jedoch die Stabilität der benachbarten, in der Regel ebenfalls osteoporotisch veränderten Wirbel beeinträchtigen.

Von den 884 Patienten, die Giovanni Anselmetti vom Institut für Krebsforschung und Therapie (IRCC) in Turin seit August 2002 behandelt haben, kam es bei 106 Patienten (12 Prozent) zu den befürchteten Frakturen, die, wie Anselmetti auf der Jahrestagung der Society of Interventional Radiology in Washington versicherte, erfolgreich behandelt wurden: 25 Patienten wurden dreimal wegen neuer Frakturen behandelt, sechs Patienten benötigten vier PV und ein Patienten fünf PV.

Anselmetti vertritt die Ansicht, dass die Rate der Folgefrakturen nicht höher sei als in der Gruppe der 73-jährigen Patienten mit ausgeprägter Osteoporose auch ohne Behandlung zu erwarten gewesen wäre. Diese Behauptung bleibt aber unbewiesen, da eine Vergleichsgruppe fehlt. 

Bislang gibt es keine große randomisierte kontrollierte Studie, die eine abschließende Bewertung der PV erlaubt. Die PV wurde erstmals 1984 in Frankreich beschrieben und erfreut sich in den USA seit den 1990er-Jahren und in Deutschland seit Anfang des Jahrzehnts steigender Beliebtheit. Eine Klärung wird von der Investigational Vertebroplasty Efficacy and Safety Trial (INVEST) erwartet, in der seit 2003 Patienten auf eine Vertebroplastie oder eine Scheintherapie randomisiert werden (BMC Musculoskeletal Disorders 2007, 8:126).

Abgesehen von diesen Einwänden sind die Ergebnisse jedoch gut. Die Schmerzen werden durch die PV rasch gelindert. In der Turiner Kohorte sank die Schmerzintensität auf einer elf Punkte langen visuellen Analogskala von 7,9 Punkten vor der PV auf 1,3 Punkte nach der PV.  845 von 884 Patienten (95,6 Prozent) berichteten von einer Linderung der Rückenschmerzen.

Die Behinderung im Oswestry Disability Questionnaire besserte sich von 70 auf 19 Prozent. Die häufigsten akuten Komplikationen waren eine minimale asymptomatische Lungenembolie (durch Übertritt von PMMA in den Kreislauf) bei zwölf Patienten (1,4 Prozent) und Irritationen der Nervenwurzeln bei sechs Patienten (0,7 Prozent). © rme/aerzteblatt.de

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