Medizin

Niederlande: Terminale Sedierung als Alternative zur Sterbehilfe

Dienstag, 25. März 2008

Rotterdam – In den Niederlanden steigt die Zahl der Menschen, bei denen am Ende des Lebens eine terminale Sedierung durchgeführt wird. Häufig entscheiden sich Patienten, denen eine aktive Sterbehilfe versagt wurde, für diese Option, wie eine Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2008; doi:10.1136/bmj.39504.531505.25) zeigt.

Der Anteil aller Sterbenden, die vor ihrem Tod mit der expliziten Zielsetzung einer terminalen Sedierung mit Benzodiazepinen und/oder Morphinen behandelt wurden, ist in den Niederlanden zwischen 2001 und 2005 von 5,6 auf 7,1 Prozent gestiegen, wie Judith Rietjens und Mitarbeiter von der Erasmus-Universität in Rotterdam berichten. Unter den Patienten, die in der letzten Lebensphase von Hausärzten versorgt wurden, hat sich die Rate der terminalen Sedierung sogar von 3,9 auf 6,6 Prozent erhöht. Am höchsten war sie jedoch mit 10 Prozent bei Menschen, die von Klinikärzten betreut wurden: Demnach erhielt jeder zehnte Patient, der in der Klinik starb, eine terminale Sedierung.

Gezählt sind hierbei allein Patienten, bei denen eine “Ende-of-Life”-Entscheidung getroffen wurde, bei denen also eine Lebensverkürzung in Kauf genommen wird. Innerhalb von vier Jahren ist die Zahl der Niederländer, die diese Form der Sterbebegleitung/Sterbehilfe wählten, um 1.800 Personen gestiegen, berichten die Public Health-Forscherin, die Fragebögen an 6.860 Ärzte verschickt hatte. Der Rücklauf von 74 Prozent in 2001 und 78 Prozent in 2005 zeigt, dass niederländische Mediziner in dieser sensiblen Frage auskunftsbereit sind. 

Während des gleichen Zeitraums nahm der Anteil der offiziellen Sterbehilfefälle um 1.200 Fälle ab – die Rate fiel von 2,6 auf 1,7 Prozent. Dies legt nahe, dass die terminale Sedierung zunehmend als Alternative zur Sterbehilfe gesehen wird. Tatsächlich war bei jedem zehnten terminal sedierten Patienten vorher der Wunsch auf eine aktive oder passive Sterbehilfe abgelehnt worden. Ob die terminale Sedierung eine Form der Sterbehilfe (Lebensverkürzung) ist oder zur Sterbebegleitung (Palliation) gehört, ist umstritten und im Einzelfall schwer zu bestimmen.

Die Wahl der Medikamente liefert hier vielleicht Hinweise: In 83 Prozent benutzten die Ärzte primär Benzodiazepine, die das Leben im Allgemeinen nicht verkürzen. Allerdings erhielt etwa die Hälfte dieser Patienten zusätzlich Morphin. Eine primäre Morphinbehandlung (ohne Benzodiazepine), was die Intention einer Sterbehilfe nahelegt, erhielten 13 Prozent der Patienten. Bei etwa der Hälfte der Patienten dauerte die terminale Sedierung weniger als 24 Stunden. Länger als eine Woche wurden nur sechs Prozent der Patienten sediert. © rme/aerzteblatt.de

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