Therapeutisches Klonen lindert Parkinson bei Mäusen
Dienstag, 25. März 2008
Kobe/New York – Neuer Teilerfolg beim therapeutisches Klonen: US-amerikanische und japanische Forscher haben bei Mäusen erfolgreich einen Parkinson-Syndrom mit autologen Transplantaten behandelt, die sie aus Stammzellen gewonnen haben. Eine Übertragung der in Nature Medicine (2008; doi:10.1038/nm1732) vorgestellten Ergebnisse auf den Menschen dürfte vorerst an der geringen Ausbeute bei der Stammzellherstellung scheitern.
Symptome des Morbus Parkinson lassen sich, wenigstens vorübergehend, durch die gezielte Implantation von dopaminergen Neuronen in die Basalganglien des Gehirns lindern. Dies konnte bereits in den 1990er-Jahren mithilfe von Transplantaten gezeigt werden, die damals aus abgetriebenen Feten entnommen wurden. Dies war nicht nur ethisch sehr umstritten, sondern auch ineffektiv. Die transplantierten Zellen starben schnell ab – vermutlich, weil sie vom Immunsystem des Körpers zerstört werden. Deshalb versuchen die Forscher jetzt, Transplantate aus autologen Stammzellen zu gewinnen, also aus Zellen, die vom erkrankten Individuum selbst stammen.
Diese Perspektive hat Shinya Yamanaka vom RIKEN Center for Developmental Biology in Kobe, Japan, eröffnet. Der japanische Stammzellforscher hat ein Verfahren entwickelt, mit dem Stammzellen aus Hautzellen (genauer Fibroblasten) eines erwachsenen Tieres hergestellt werden können. Dieses Klonen geschieht mittels SCNT (somatic-cell nuclear transfer).
Dabei wird das Erbgut aus den Fibroblasten in Eizellen eingebracht. Die so „befruchtete“ Eizelle muss sich dann im Labor bis zum Stadium der Blastozyste teilen. In diesem sehr frühen Embryonalstadium können die Forscher die Stammzellen gewinnen. Diese werden dann im Labor vermehrt, wobei ihre Entwicklung durch bestimmte Kulturmedien in die gewünschte Richtung geleitet wird. Am Ende sollte eine ausreichende Menge von differenzierten Zellen – hier Nervenzellen, die Dopamin produzieren – zur Verfügung stehen, um sie den Versuchstieren in den Basalganglien zu injizieren.
Dies hat die Gruppe um Lorenz Studer vom Sloan-Kettering Institut in New York jetzt offenbar geschafft. Bei sechs Tieren besserte sich nach der Behandlung der Morbus Parkinson, der durch Chemikalien künstlich erzeugt worden war. In einer Kontrollgruppe erhielten Mäuse ein allogenes Transplantat aus dem gleichen Stammzellpool. Es wurde keine Immunsuppression durchgeführt und die Zellen starben ab. Die Behandlung des Parkinson-Syndroms war bei diesen Tieren unwirksam.
Die Verwendung von Transplantaten, die aus Stammzellen der erkrankten Patienten erzeugt werden, ist sicherlich eine Perspektive für die Behandlung des Morbus Parkinson beim Menschen. Experten rechnen allerdings nicht mit einer raschen Umsetzung. Diese scheitert derzeit an der geringen Ausbeute des therapeutischen Klonens.
Um von den 24 Versuchstieren genügend Zellen für die Transplantation zu gewinnen, wurden 5.099 Eizellen verbraucht. Eine solch große Menge an Spendereizellen dürfte für therapeutische Versuche beim Menschen nicht zur Verfügung stehen – von den ethischen Bedenken ganz abgesehen. Der nächste Schritt muss deshalb – zunächst in Tierexperimenten – darin besten, die Ausbeute in den Tierexperimenten zu erhöhen. © rme/aerzteblatt.de
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