Politik

Studie zu Wartezeiten für Kassenpatienten löst unterschiedliche Reaktionen aus

Dienstag, 1. April 2008

Köln/Berlin - Eine Studie des Instituts für Gesundheitsökonomie und klinische Epidemiologie der Universität Köln (Leiter Karl Lauterbach) hat die Diskussion um die Wartezeit von Kassen- im Gegensatz zu Privatpatienten neu angefacht. Für die

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Untersuchung sind im Frühjahr 2006 insgesamt 189 niedergelassene Facharztpraxen im Raum Köln/ Bonn/Leverkusen kontaktiert worden. Am Telefon gaben sich die Mitarbeiter des Instituts  dabei einmal als Privat- und einmal als Kassenpatienten aus. Das Ergebnis: Gesetzlich Versicherte warten dreimal länger auf Facharzttermine als Privatpatienten.

„Die Kollegen vergeben Termine unter medizinischem Gesichtspunkt, unabhängig davon, ob der Patient privat oder gesetzlich krankenversichert ist“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler. Es gebe keine Unterschiede in der Behandlung. Die Qualitätssicherung der Leistung sei in der gesetzlichen Krankenversicherung sogar fortgeschrittener als in der privaten Krankenversicherung. „Die Zusatzeinnahmen aus der privaten Krankenversicherung kommen im Übrigen allen Versicherten zugute. Letztlich sind diese Einnahmen es, die den Arzt in die Lage versetzen, Investitionen in seiner Praxis zu tätigen“, sagte Köhler.

Dagegen entgegnete der Direktor des Verbandes privater Krankenversicherung, Volker Leienbach: „Dass die Folgen der Rationierungspolitik für die Kassen-Versicherten – zum Beispiel durch Unterschiede im Service – inzwischen wahrnehmbar werden, ist überhaupt nicht verwunderlich: Sie sind in der politisch gewollten Budgetierung begründet.“

Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, äußerte sich differenziert zu den Studienergebnissen: Zwar werden seiner Ansicht nach Privatversicherte und Kassenpatienten qualitativ gleich behandelt. Allerdings komme es in der Tat zu Wartezeiten für gesetzlich Versicherte, weil oftmals die vorgegebenen Budgets vor Ende des Quartals ausgeschöpft seien. „Viele Ärzte behandeln schon jetzt ihre Patienten in den letzten Tagen und Wochen des Quartals kostenlos oder versuchen, nicht akut notwendige Behandlungen auf das nächste Quartal zu verlegen.“ Die Unterversorgung sei „staatlich verursachte Zweiklassenmedizin“, mit privilegierter Medizin für Privatpatienten habe das nichts tun.

Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums sagte, es sei Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigungen, eine reibungslose Versorgung sicherzustellen. Mittlerweile gebe es erfolgreiche Beispiele für gesetzliche Krankenkassen, die sich zeitnah um Termine für ihre Versicherten bemühten. Man begrüße, „dass die Kassen aufgrund der Gesundheitsreform hier nun anfangen, sich um ihre Versicherten als Kunden zu kümmern“.

Der Sozialverband VdK bezeichnete es als „unverantwortlich“, Kassenpatienten gegenüber Privatpatienten zu benachteiligen. Die Terminvergabe nach der Kassenzugehörigkeit zu steuern, sei „Zweiklassenmedizin der schlimmsten Weise“. Es könne nicht sein, „dass die Masse der Beitragszahler, die in das solidarische System der gesetzlichen Krankenkassen einzahlt, hinter der Minderheit der in den Privatkassen versicherten Besserverdienenden zurückstehen muss“. hil/ddp/aerzteblatt.de

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