Medizin

Rhesus-Inkompatibilität im Blut der Mutter nachweisbar

Freitag, 4. April 2008

London – Mittels einer Genotypisierung kann im Blut von Schwangeren die Rhesus-Eigenschaft des fetalen Blutes bestimmt werden. Eine prospektive Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2008: doi: 10.1136/bmj.39518.463206.25) zeigt, dass der Test zuverlässig ist. Einem Drittel der Rh-negativen Schwangeren könnte auf diese Weise eine Prophylaxe mit Anti-D-Immunglobulinen erspart werden.

Bei etwa jeder zehnten Schwangerschaft liegt eine Rhesus-Inkompatibilität vor. Der Fetus ist rhesus-positiv, während die Mutter rhesus-negativ ist. Wenn die Mutter Antikörper gegen den Rhesusfaktor entwickelt hat (etwa nach einer Exposition mit rhesus-positivem fetalem Blut bei einer früheren Schwangerschaft) und diese (bei einer folgenden Schwangerschaft) über die Placenta in den Kreislauf des Feten gelangen, kann es zu einem Morbus haemolyticus neonatorum mit Hydrops fetalis kommen. Um ihn zu vermeiden, erhalten alle rhesus-negativen Frauen eine Prophylaxe mit Anti-D-Immunglobulinen.

In etwa einem Drittel der Fälle sind die Injektionen überflüssig, da der Fetus ebenfalls rhesus-negativ ist. Dies war bisher nur schwer festzustellen, da auf zumutbare Weise keine Blutprobe der Feten verfügbar ist. Seit einigen Jahren ist bekannt, dass DNA des Feten über die Placenta in den Blutkreislauf der Mutter übertritt. Und da die Gene für die Rhesus-Eigenschaft ebenfalls entziffert wurden, besteht die Möglichkeit, die Rhesus-Inkompatibilität genauer als bisher zu diagnostizieren.

Die Blutbank des National Health Service (NHS) hat jetzt in einer Studie ein neuartiges Verfahren untersucht, das den Nachweis der Rhesus-Gene, die mit der Polymerasekettenreaktion erfolgt (Genotypisierung), automatisiert. Die Gruppe um Geoff Daniels vom NHS Blood and Transplant Centre in Bristol hat den Test an Blutproben validiert, die 1997 Schwangeren vor der 28. Gestationswoche entnommen wurden. Die Ergebnisse sind viel versprechend.

Nur drei Proben (0,16 Prozent) waren falschnegativ. In diesen Fällen hätte ein Verzicht auf eine Prophylaxe mit Anti-D-Immunglobulinen die Gesundheit des Kindes gefährden können, da dieses in Wirklichkeit rhesus-positiv ist und sein Blut von den Antikörpern der Mutter (sofern vorhanden) attackiert werden könnte. Die Rate der falschpositiven Ergebnisse (Fetus in Wirklichkeit rhesus-negativ) lag bei 0,8 Prozent. In weiteren 3,4 Prozent waren die Testergebnisse nicht verwertbar. Durch den Test könnte die Zahl der Mütter, die unnötigerweise eine Prophylaxe mit Anti-D-Immunglobulinen erhalten, von 36 Prozent auf etwa 2 Prozent gesenkt werden. Dies würde Kosten für die Anti-D-Immunglobuline einsparen (die Ausgaben für den Test wären gegenzurechnen). Die Prophylaxe würde aber auch ein Sicherheitsrisiko ausschalten.

Daniels erinnert an die Kontamination von Anti-D-Immunglobulinen mit Hepatitis C-Viren, zu denen es in Irland 1977/8 gekommen war. Damals waren mehrere hundert Frauen iatrogen mit Hepatitis C infiziert worden (NEJM 1999; 340: 1228-1233). Dies wäre heute durch das HCV-Screening nicht mehr vorgekommen. Der Test könnte den Frauen jedoch die Angst vor einer hypothetischen Virus- oder Prionenkontamination nehmen, meint Daniels. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige