Medizin

Bleivergiftungen durch Marihuana weiter ungeklärt

Donnerstag, 10. April 2008

Leipzig – Mediziner der Universität Leipzig stellen im New England Journal of Medicine (NEJM 2008; 358: 1641-1642) eine erste Analyse zu einer Serie von Bleivergiftungen vor, die Ende letzten Jahres im Raum Leipzig beobachtet wurden. Das Blei war der Cannabisdroge beigemischt worden, um ein höheres Gewicht der Drogenpäckchen vorzutäuschen.

Über einen Zeitraum von drei bis vier Monaten waren an vier Kliniken in Leipzig 29 Drogenkonsumenten mit den typischen Beschwerden einer akuten Bleivergiftung aufgenommen worden, berichten Dr. Franziska Busse und Mitarbeiter. Die Patienten klagten über Abdominalkrämpfe (weswegen ein Patient laparoskopiert wurde), Übelkeit und körperliche Schwäche. Einige hatten auch Kopfschmerzen oder erste neurologische Ausfälle (Polyneuropathie). Im Blutbild war neben der Anämie auch eine basophile Tüpfelung der Erythrozyten erkennbar, und bei den meisten Patienten beobachteten die Ärzte eine blauschwarze Verfärbung der Gingiva: die Dyschromia gingivae saturnina oder Bleisaum ist ein charakteristisches, schon frühzeitig erkennbares Symptom der Vergiftung. Im Blut wurden Bleikonzentrationen von bis zu 457 µg/dl gemessen. Unbedenklich sind laut Dr. Busse Werte bis 25µg/dl.

Die Quelle der Vergiftungen wurde nach acht Wochen entdeckt, nachdem der Cannabis-Konsum als gemeinsamer Nenner der Patienten aufgefallen war. Ein Patient stellte ein Drogenpäckchen zur Verfügung, das zu zehn Gewichtsprozent aus Blei bestand. Durch seine blaugräuliche Farbe waren die Schwermetallkrümel nur schwer von der Droge zu unterscheiden. Die Beimengungen erhöhten den Preis der Droge um etwa tausend Euro pro Kilogramm, schätzen die Leipziger Mediziner, die deshalb nicht an eine versehentliche Kontamination (etwa im Anbaugebiet) glauben.

Die Täter konnte noch nicht ermittelt werden, doch die Verunreinigungen wurden offenbar im großen Stil betrieben. Über eine vom Gesundheitsamt geschaltete Hotline meldeten sich 145 Personen, von denen 95 erhöhte Bleiwerte im Blut hatten.

Zur Vergiftung kommt es, weil das Metall bei einer Temperatur von bis 1.200° C im Verbrennungszentrum des „Joints” verdampft und dann mit der Droge inhaliert wird. Da die Täter nicht gefasst wurden, ist es nicht auszuschließen, dass weiterhin kontaminiertes Marihuana gehandelt wird. © rme/aerzteblatt.de

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