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Studie: Harnsäure schützt vor Parkinson

Dienstag, 15. April 2008

Boston – Hohe Harnsäurespiegel schützen im Frühstadium einer Parkinsonerkrankung möglicherweise vor einem Verlust von dopaminergen Neuronen und einem raschen Fortschreiten der klinischen Symptomatik. Dies zeigen die Ergebnisse einer prospektiven Studie in den Archives of Neurology (2008; 65: doi:10.1001/archneur.2008.65.6.nct70003).

Der Funktionsverlust der Urikase, zu dem es in der Evolution der Primaten gekommen ist, hat möglicherweise nicht nur Nachteile für die Menschen gebracht. Zwar ist die Entsorgung von Nukleinsäuren auf der vorletzten Stufe gestoppt, weshalb es beim Menschen (und im Prinzip auch bei Menschenaffen) nach purinhaltiger Nahrung zu erhöhten Harnsäurespiegeln im Blut kommt, deren Präzipitation in der Gelenkflüssigkeit für die Gicht verantwortlich ist.

Harnsäure hat jedoch auch antioxidative Eigenschaften, die der Gesundheit des Gehirns nützlich sein könnten. Eine Reihe von epidemiologischen Studien, darunter auch die Health Professionals Follow-up Studie haben gezeigt, dass Menschen mit hohen Harnsäurespiegeln seltener an einem Morbus Parkinson erkranken.

Der Parkinson Research Examination of CEP-1347 Trial oder PRECEPT-Studie liefert hierfür jetzt einen Erklärungsansatz. Diese Studie hatte ursprünglich ein anderes Ziel. Sie sollte zeigen, ob ein neuer Wirkstoff – CEP-1347 – die Progression der Erkrankung verlangsamen kann. Das war nicht der Fall. Um dies zu beweisen, wurden die 804 Teilnehmer – Patienten mit frühem Parkinson (Diagnose keine 5 Jahre zurückliegend) – über 22 Monate regelmäßig klinisch untersucht. Es wurden auch Aufnahmen mit der Single Photon Emission Computed Tomographie (SPECT) angefertigt.

Sie kann anhand einer Jodanreicherung die Vitalität von Zellen der Basalganglien (wenn auch sicher mit Abstrichen) messen. Da die Bestimmung der Harnsäure zum Routinelabor gehört, konnten Alberto Ascherio vom Massachusetts General Hospital in Boston und Mitarbeiter jetzt die Auswirkungen dieses Parameters auf die Progression der Erkrankung untersuchen.

Ergebnis: Teilnehmer mit den höchsten Harnsäurewerten (6,7 mg/dl oder höher) erreichten den Endpunkt der Studie – Symptome, die den Einsatz von Dopamin erforderlich machten – nur halb so häufig wie Teilnehmer mit den niedrigsten Harnsäurewerten (4,3 mg/dl oder weniger). Die SPECT-Aufnahmen zeigten, dass hohe Harnsäurespiegel mit einer niedrigeren Verlustrate an dopaminergen Neuronen einhergingen. Hier war die Assoziation allerdings nur bei Männern signifikant.

Diese Ergebnisse legen eine neuroprotektive Wirkung von Harnsäure nahe, belegen sie indes nicht. Zum einen ist denkbar, dass nicht die Harnsäure selber, sondern andere Zwischenprodukte beim Abbau von Nukleinsäuren für die protektive Wirkung verantwortlich sind. Zum anderen ist nicht ausgeschlossen, dass Harnstoff nur ein Marker für eine ganz andere Ursache ist. Dennoch drängen sich therapeutische Überlegungen auf.

Neben der Empfehlung einer purinreichen Ernährung, die nur schwer überprüft werden kann, bieten sich randomisierte kontrollierte Studie zu den Zwischenprodukten Adenosin oder Inosin an. Letztere wurde in Phase-2-Studien bei der multiplen Sklerose untersucht, wo es zu seinem Anstieg der Harnsäurespiegel kam. 

Selbst wenn diese Studien zeigen sollten, dass Harnsäure die Progression des Parkinsonsyndroms abschwächt, müsste, wie Ascherio warnt, beachtet werden, dass ein erhöhter Harnsäurespiegel das Risiko von kardiovaskulären Erkrankungen erhöht. © rme/aerzteblatt.de

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