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Insulin-Tabletten sicher durch den Magen geschleust

Donnerstag, 17. April 2008

Washington – Amerikanische Forscher haben einen Weg gefunden, Insulin sicher durch den Magen zu schleusen. Erst im Dünndarm wird das Medikament dann freigegeben und kann vom Körper aufgenommen werden. Normalerweise zersetzt die aggressive Magensäure das Insulin. Deshalb führen sich Diabetiker das Hormon bislang durch Injektionen zu.

Das von den Forschern entwickelte sogenannte Hydrogel schützt das Insulin und kann sich durch spezielle Ankermoleküle sogar zusätzlich im Dünndarm verhaken, wie Nicholas Peppas und sein Team von der Universität von Texas in Austin in Labortests herausgefunden haben. Wenn sich die Ergebnisse auch in realen Situationen bestätigen, könnten bald Tabletten für Diabetiker entwickelt werden, schreiben die Forscher im Fachmagazin „Biomacromolecules“ (2008; 9: 1293).

Die Forscher stellten die chemischen Abläufe im Verdauungstrakt durch Simulationen im Reagenzglas nach. Zunächst befüllten sie ein Hydrogel mit Insulin. Ein Hydrogel ist ein Knäuel langkettiger Moleküle, die bestimmte Substanzen schwammartig aufsaugen und halten können. Während bei einem Schwamm aufgesaugtes Wasser durch äußeren Druck abgegeben wird, entwickelten die Forscher ein Hydrogel mit einem besonderen Abgabemechanismus: Sobald das Säureniveau von stark sauer im Magen zu basisch im Dünndarm umschlägt, öffnet sich das Hydrogel und entlässt die eingeschlossenen Insulinmoleküle. Innerhalb des Magens sind die Hydrogelmoleküle indes dicht um das Insulin gepackt.

Um die Verweilzeit des Hydrogels im Dünndarm zu erhöhen, hängten die Forscher an die Molekülketten bestimmte Anhängsel, die sich wie Anker an die Gewebeoberflächen im Dünndarm verhaken sollen. Die Anhängsel waren spezielle Bindeproteine aus Weizenkeimlingen. Im Experiment präparierten die Forscher Kunststoffplättchen mit Darmschleimhaut von Schweinen, über die sie die Hydrogelpäckchen träufelten. Es blieben mehr Hydrogelpäckchen mit Anhängsel haften als beim Probedurchlauf ohne Anhängsel.

Das deute darauf hin, dass die Anhängsel die Abgabezeit fürs Insulin im Dünndarm deutlich steigern könnten, argumentieren die Forscher. Sie hoffen, damit eine weitere Methode gefunden zu haben, um Insulin für Diabetiker in Tablettenform herzustellen. In anderen Studien versuchen Mediziner beispielsweise, Insulin in Nanopartikeln durch den Magen zu schleusen. © ddp/aerzteblatt.de

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